Union-Kolumne

Die absoluten Knaller des Jahres lässt der 1. FC Union in Frankfurt los

Emotionale Höhepunkte boten die Eisernen 2025 reichlich, aber zwei Spiele sind einfach nicht zu toppen.

Teilen
Frederik Rönnow, Torwart des 1. FC Union, fischt den Elfer von Frankfurts Hugo Ekitiké – ein Drama mit Happy End.
Frederik Rönnow, Torwart des 1. FC Union, fischt den Elfer von Frankfurts Hugo Ekitiké – ein Drama mit Happy End.Matthias Koch/imago

Wann, wenn nicht am letzten Tag des Jahres, ist die beste Gelegenheit, um den schönsten, überraschendsten, bleibendsten, emotionalsten Augenblick zu benennen? Viel kann in den wenigen verbleibenden Stunden nicht mehr passieren. Selbst Nachspielzeiten und Verlängerungen haben ihr Limit erreicht. Der perfekte Zeitpunkt also für einen Blick zurück in Rot und in Weiß.

Vieles gab es beim 1. FC Union in den zurückliegenden 364 Tagen, das der Erinnerung wert ist und das in der Vereinschronik einen würdigen Platz bekommen hat: der Amtsantritt von Steffen Baumgart als Nachfolger von Bo Svensson; das wilde 4:4 zu Hause gegen Stuttgart mit dem Hammer-Tor von Leopold Querfeld; der Aufstieg des Frauen-Teams unter Trainerin Aileen Poese in die Bundesliga; das 2:2 gegen die Bayern mit dem Doppelpack von Danilho Doekhi, als die Eisernen nur wenige Minuten entfernt von ihrem ersten Dreier gegen den deutschen Rekordmeister waren …

Blamage gegen Kiel, aber dann ...

Für jeden mag es etwas anderes sein. Schließlich gab es 37 Spiele, 34 in der Liga, drei im Pokal. Das sind – inklusive der Verlängerung im Cup beim 2:1 gegen Bielefeld – 56 Stunden reine Spielzeit. Zwei volle Tage plus eine Acht-Stunden-Schicht. Nur: Bei meinem persönlichen emotionalen Höhepunkt reicht diese Zeit nicht aus. Da muss die Nachspielzeit herhalten.

Kiels Armin Gigovic (l.) jubelt, Rani Khedira ist am Boden zerstört – der 1. FC Union hat sich gegen Aufsteiger Holstein blamiert.
Kiels Armin Gigovic (l.) jubelt, Rani Khedira ist am Boden zerstört – der 1. FC Union hat sich gegen Aufsteiger Holstein blamiert.RHR-Foto/imago

Zurückgeschaut auf den 9. März, einen Sonntag. Die Mega-Blamage mit dem 0:1 zu Hause gegen Aufsteiger Holstein Kiel ist gerade eine Woche alt. Sie steckt in den Beinen und noch mehr in den Köpfen. Die Abstiegszone ist wieder in ganz gefährliche Nähe gerückt. Und die Partie bei Eintracht Frankfurt beginnt auch nicht wie eine, bei der am Ende Punkte zu haben sind – 0:1 durch Michy Batshuayi nach 13 Minuten. Das geht schon wieder nach hinten los ...

Einkassiertes Tor leitet Drama ein

Zwar drehen Leopold Querfeld mit einem Kopfball und Woo-Yeong Jeong nach feinem Konter die Partie. Weil aber der noch viel bessere Konter, den Benedict Hollerbach zum vermeintlichen 3:1 abschließt, einkassiert wird, bleibt die fünfminütige Nachspielzeit ein Tanz auf dem Seil. Das Drama nimmt seinen Lauf und das Happy End lässt auf sich warten.

Pfiff! Entsetzen! Danilho Doekhi hat ebenso unglücklich wie unabsichtlich die Kugel in der eigenen Gefahrenzone an die Hand bekommen. Elfmeter für die Hausherren. Die Höchststrafe. So spät im Spiel! Statt des Überraschungssieges beim Tabellendritten droht im allerletzten Moment doch wieder ein Rückschlag. Der wievielte eigentlich in diesem Spieljahr?

Fußball-Gott wird zum Teufelskerl

Wenn auf den großen Fußball-Gott in manchen Phasen schon kein Verlass ist, dann muss der eiserne helfen. Der steht bei den Köpenickern diesmal zwischen den Pfosten, hört auf den Namen Frederik Rönnow und wird fix mal zum Teufelskerl. Der Däne sieht in dieser Partie rein äußerlich dem Dämon aus der Unterwelt schon ziemlich ähnlich: rotes Hemd, rote Hose, rote Stutzen, sogar die Handschuhe passen sich an.

Das ist selbst für Hugo Ekitiké, in jener Phase der torgefährlichste Eintracht-Angreifer, der neun Spiele später für eine Ablöse von 90 Millionen Euro plus möglicher Boni von fünf Millionen nach Liverpool wechselt, zu viel. Die ganze Ampel steht auf Rot. Rönnow fischt den Ball weg und rettet den Dreier doch. Es ist die letzte Aktion. Alles andere ist Jubel.

Nach seiner Elfer-Glanztat wird Frederik Rönnow von den Union-Kollegen zugejubelt.
Nach seiner Elfer-Glanztat wird Frederik Rönnow von den Union-Kollegen zugejubelt.Revierfoto/imago

Dieses Drama ist so etwas wie ein Knotenlöser. Hatte es seit Amtsantritt von Steffen Baumgart in zuvor neun Spielen nur sieben Punkte gegeben, läuft es, beginnend mit diesem Dreier, wie am Schnürchen. Auch gegen die Bayern wird ein Rückstand aufgeholt (1:1), in Freiburg das Spiel zum 2:1 gedreht, bis zum Saisonende gibt es bei 17 Punkten nur noch eine Niederlage – die übliche gegen Heidenheim, wenn auch mit 0:3 zu Hause ziemlich arg.

Dieses Rot ist echt zum Kugeln

Wer in Frankfurt eine Papierkugel schießt, hat die Bescherung: Union-Trainer Steffen Baumgart sieht dafür die Rote Karte.
Wer in Frankfurt eine Papierkugel schießt, hat die Bescherung: Union-Trainer Steffen Baumgart sieht dafür die Rote Karte.Gerhard Schultheiß/Imago

Um ein Haar hätte es ein halbes Jahr später, auch der 21. September ist ein Sonntag, am Riederwald ein erneutes Drama gegeben. Wieder gibt es in der Schlussphase einen Elfmeter für die Gastgeber. Diesmal wird es sogar ein Tor. Dafür sieht Baumgart, weil er ein Papierkügelchen aufs Feld wirft, Rot. Die diesmal doppelt so lange Nachspielzeit, zehn Minuten nämlich, wird zur erneuten Tortur. Glücklicherweise bleibt die Achterbahn nach drei Treffern von Oliver Burke und einem von Ilyas Ansah über die Stationen 2:0, 2:1, 4:1 beim 4:3 für die Eisernen stehen.

Geht es so aus, dann 2026 bitte mehr von diesen Dramen.