Das tut weh! Das ist fast zum Heulen! Was bei der Heimpremiere des 1. FC Union in Europas Königsklasse nach dem ersten Sieg schnuppert, entpuppt sich doch wieder als eine Niederlage. Das 2:3 (2:1) gegen Sporting Braga schmerzt noch viel mehr als das 0:1 zwei Wochen zuvor gegen Real Madrid. Es ist nach einer 2:0-Führung und dem Treffer zur Niederlage wieder nur Sekunden vor Ende der vierminütigen Nachspielzeit wie ein Haken in die Magengrube.
Gänsehaut im Regengeprassel über Charlottenburg
Unfassbar ist es, was da passiert. Dabei ist alles angerichtet. Volle Hütte Olympiastadion. 73.345 Anhängern wollen die Eisernen sehen, so viele eigene Fans wie noch nie und dreieinhalbmal so viele, wie es im Stadion An der Alten Försterei, dem eigentlichen Zuhause, hätten sein dürfen. Es ist der pure Wahnsinn und Gänsehaut im Regengeprassel über Charlottenburg.
Die Rot-Weißen befinden sich im Kampfmodus. Nichts ist zu merken von der Ergebnisdelle der vergangenen fünf Spiele, auch wenn die Portugiesen im Ballbesitz zunächst über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügen. So etwas können die Männer von Trainer Urs Fischer gewohnt gut ab. Zwar kommen die langen Bälle auf Sheraldo Becker nicht genau genug, und wenn, dann steht der pfeilschnelle Stürmer knapp im Abseits. So auch beim vermeintlichen frühen 1:0 durch Robin Gosens (4.).
Nichts ist es mit dem ersten Tor der Eisernen in diesem Wettbewerb. Auch Kevin Behrens, der sich gedankenschnell in ein luschiges Zuspiel in Bragas Abwehr einschaltet, allein auf Sporting-Schlussmann Matheus zuläuft, lässt es aus (19.). Es ist wie so häufig in den vergangenen Wochen, der Teufel steckt noch immer drin.
Der Plan mit langen Bällen ins Halbfeld geht auf
Plötzlich flutscht es aber doch und der Plan mit langen Bällen ins Halbfeld geht auf. Nach dem Ballgewinn von Josip Juranovic geht es über Alex Kral ganz schnell zu Becker und bei ihm noch schneller Richtung Strafraum. Durch die Beine von Matheus findet die Kugel ihren Weg ins Netz – diese 30. Minute ist eine historische: Das 1:0 ist das erste Tor der Eisernen in der Königsklasse. Das Stadion tobt!
Noch sind die Fans in euphorischer Stimmung, schon steigt die Temperatur auf den Rängen ins Fieberhafte. Wieder geht es über die rechte Seite, diesmal über Juranovic und Lucas Tousart, ganz fix zu Becker. Hatte es der Wirbelwind beim ersten Tor noch mit rechts gemacht, zieht er diesmal mit links ab – drin! Ein 2:0 nach 37 Minuten ist so etwas wie ein Wunschergebnis.
Nur geht es ab sofort verstärkt in die andere Richtung. Zu sehr ziehen sich die Eisernen zurück. Sie bieten dem Gegner noch mehr Räume zu dessen Entfaltung an. Genau das geht kräftig ins Auge. Weil sie die Rückräume nicht besetzen, ist nach einem Distanzschuss von Ricardo Horta erst Sikou Niakhaté frei vor dem leeren Tor, dann zimmert Bruma den Ball aus 25 Metern mit klinischer Präzision rechts oben rein.
