Fußball im Osten

Verkauft, gezittert, explodiert: Hansa Rostock greift an

Kogge auf Kurs: Obwohl die Rostock im Winter seinen Torjäger verloren hat, träumen sie an der Ostsee vom Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Teilen
Auch wegen Ex-Union-Stürmer Andreas Voglsammer träumt Hansa Rostock plötzlich wieder vom Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Auch wegen Ex-Union-Stürmer Andreas Voglsammer träumt Hansa Rostock plötzlich wieder vom Aufstieg in die 2. Bundesliga.Andy Buenning/imago

Schiff ahoi! Daran haben sie bei Hansa Rostock nach einem mehr oder weniger holprigen Start in die Drittliga-Saison fast nicht mehr glauben wollen. Trotz einiger weiterer Patzer im Verlaufe des Spieljahres aber lebt fünf Spieltage vorm Abschluss der Traum von der Rückkehr in die 2. Bundesliga. Allerdings wissen sie an der Küste, dass sie am Sonnabend bei Schlusslicht und Schon-Absteiger Schweinfurt gefordert sind, ein Dreier dort Pflicht ist und sie sich auch danach gegen Jahn Regensburg, bei Alemannia Aachen, gegen die Zweite des VfB Stuttgart und zum Saisonfinale am 16. Mai in Saarbrücken keinen Ausrutscher mehr leisten dürfen.

Hansa Rostock schöpft nach Fehlstart Aufstiegshoffnung

„Es wird zwar noch Bewegung ins Feld kommen“, prophezeit Trainer Daniel Brinkmann, „weil Teams, die vor uns liegen, auch noch schwere Spiele zu bestreiten haben und teils sogar gegeneinander spielen. Aber das würde uns nichts helfen, wenn wir unsere Spiele nicht gewinnen.“

Dabei hatte die Saison für die Blau-Weißen alles andere als verheißungsvoll begonnen. Auf Rang 15 lagen sie nach zehn Spieltagen, nur einen Zähler vor dem ersten der vier Abstiegsplätze. Zwei Spiele nur hatten sie bis dahin gewonnen, bei Rot-Weiss Essen (0:3) und im Ostseestadion im Ost-Duell gegen Energie Cottbus (1:3) dagegen alt ausgesehen. Die Konkurrenz auf den ersten drei Plätzen war um 13 (Duisburg), neun (Cottbus) und acht Punkte (Osnabrück) enteilt. Zudem schien vor allem im Angriff mit nur acht Toren der Wurm zu stecken. Allein Aufsteiger Schweinfurt tat sich im gegnerischen Strafraum noch schwerer als Hansa.

Kogge auf Kurs: Fünf Spiele, kein Ausrutscher

Sechs Monate später zeigt sich ein völlig anderes Bild. Tabellenfünfter sind die Rostocker und lauern nur einen Punkt hinter Energie Cottbus, das nach dem 0:1 im Spitzenspiel bei Tabellenführer VfL Osnabrück auf dem Relegationsrang liegt.

Stürmer Emil Holten trifft in der Rückrunde bereits neunmal und kommt bei Hansa Rostock aus dem Jubeln gar nicht mehr raus.
Stürmer Emil Holten trifft in der Rückrunde bereits neunmal und kommt bei Hansa Rostock aus dem Jubeln gar nicht mehr raus.imago/Fotostand/Voelker

Mit einem 5:1 gegen Ulm haben sich die Hanseaten in Stellung gebracht. Allerdings hatte Daniel Brinkmann trotz des Kantersieges gegen den Abstiegskandidaten über einige Dinge zu mosern. „Für mich ist das Ergebnis zu hoch, zumal wir unsere beiden letzten Tore erst sehr spät machen“, hielt er den Ball flach.

Millionen-Transfer – und trotzdem stark

Gleich mehrere Sachen will der Coach in der Vorbereitung auf den Saison-Endspurt ansprechen: „Wir haben viele Möglichkeiten nicht gut ausgespielt, da waren Unkonzentriertheiten dabei. Ich möchte, dass wir so etwas souveräner runterspielen und nicht wieder ins Zittern kommen.“

Trainer Daniel Brinkmann hat die Stimmung bei Hansa Rostock nach dem Fehlstart gedreht.
Trainer Daniel Brinkmann hat die Stimmung bei Hansa Rostock nach dem Fehlstart gedreht.imago/Maximilian Koch

Damit, dass die Rostocker so dick ins Aufstiegsrennen eingreifen werden, war noch vor wenigen Wochen nicht zu rechnen. Mit Ryan Naderi hatten sie am Ende der Wechselperiode Anfang Februar ihren bis dahin besten Torschützen verloren. Dank seiner acht Saisontore hatte der 22-Jährige das Interesse der Glasgow Rangers geweckt und war vom dortigen Rekordmeister in die Scottish Premiership gelockt worden, wo er sich auch schon in die Torschützenliste eingetragen hat.

Die Kogge kassiert bis zu sechs Millionen von den Rangers

Aufsehen erregte der Wechsel vor allem deshalb, weil Hansa für den in Dresden geborenen Deutsch-Tschechen mit eventuellen Boni eine Drittliga-Rekordablöse von bis zu sechs Millionen Euro erhalten hat.

Anderthalb Jahre zuvor war Naderi von der Borussia-Reserve aus Mönchengladbach für gerade mal 200.000 Euro an die Warnow gewechselt. Hansa-Vorstandschef Ronald Maul entschuldigte sich fast für den Verkauf und nannte als einen Grund: „Das Angebot vom Rangers Football Club hat eine Dimension erreicht, die ein Drittligist nicht ablehnen kann.“ Um den Pessimisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, fügte Maul an: „Trotzdem habe ich Vertrauen in unseren Kader.“

Emil Holten lässt Hansa Rostock träumen

Dennoch war zu befürchten, dass Hansa damit einen Garanten für den Aufstieg abgegeben habe. Das aber ist nicht eingetreten. Die Chancen stehen nach wie vor gut. Für Naderi ist neben Mittelfeldspieler Kenan Fatkic (7 Tore, wenn auch 5 davon aus Elfmetern) und dem Ex-Unioner Andreas Voglsammer (6) nämlich besonders Emil Holten in die Bresche gesprungen.

Der Däne, im Herbst noch im Schatten Naderis, trifft und trifft und trifft. Neun seiner 13 Saisontore hat er erzielt, nachdem sein Sturmpartner weg war. Auch gegen Ulm brachte er die Kogge mit einem Doppelpack schon vor der Pause auf Siegkurs. Jetzt ist Holten einer, der mit breiter Brust in die letzten Spiele geht und sagt: „Wir haben nur noch Endspiele. Alle sind sie wichtig.“

Diese Fans tragen die Kogge

Einer, der von Hansas Aufstieg ebenso überzeugt ist wie die Rostocker selbst, ist Pavel Dotchev. Der Drittliga-Rekordtrainer und mit Ulm am Wochenende der Verlierer, sagte: „Wenn ich dieses Stadion sehe und diese Anhängerschaft (Am Wochenende waren 26.354 gekommen und damit mehr als zum Erstligaspiel zwischen Wolfsburg und Frankfurt; Anm. d. Red.), so hat dieser Verein in der 3. Liga nichts zu suchen.“

Läuft es weiterhin nach den Wünschen der Blau-Weißen, dann hat er dort auch bald nichts mehr verloren.