Algeriens Azzedine Lagab hätte allen Grund, richtig sauer zu sein. Doch der Radprofi kontert die rassistischen Anfeuerungsrufe während des olympischen Zeitfahrens durch BDR-Sportdirektor Patrick Moster cool.
„Es gibt bei den Olympischen Spielen kein Kamelrennen. Deshalb habe ich mich für den Radsport entschieden. Zumindest war ich in Tokio dabei“, schrieb der 34-jährige Lagab bei Twitter.
Patrick Moster muss Olympia verlassen
Well, There is no camel 🐪 race in #olympics that’s why I came to cycling. At least I was there in #Tokyo2020
— Azzedine Lagab (@AzzedineLagab) July 28, 2021
So humorvoll reagierte sonst keiner auf solch einen Eklat. Moster hatte während des Zeitfahrens den deutschen Fahrer Nikias Arndt, vor dem der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und Lagab fuhren, mit den Worten „Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!“ angefeuert.
Die Kritik an Moster ist groß. Arndt hatte sich „entsetzt“ gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors distanziert. Auch Maximilian Schachmann, der neben Arndt im Zeitfahren zum Einsatz kam, betonte, dass solche Worte bei Olympischen Spielen und generell in der Welt nichts zu suchen hätten.
"Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!"
— Deutschlandfunk Sport (@DLF_Sport) July 28, 2021
Patrick Moster, Radsporttrainer des Bundes Deutscher Radfahrer, versucht Nikias Arndt beim Olympischen Zeitfahren anzufeuern. Vor Arndt fahren ein Algerier und ein Eritreer. #Tokyo2020 pic.twitter.com/UoDLVQWlWf
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Der Weltverband UCI schaltete sich ebenfalls ein und verurteilte die Rufe Mosters. Nur der DOSB eierte 24 Stunden rum, zog dann viel zu spät die Konsequenzen, schickte den Sportdirektor mit sofortiger Wirkung nach Hause. Dort wird dann wohl die letzte Runde eingeläutet. BDR-Präsident Rudolf Scharping bezeichnete den Ausfall als „nicht akzeptabel“ und kündigte eine Aufarbeitung an.
Rick Zabel findet deutliche Worte
Deutliche Worte fand der nicht bei Olympia startende Rick Zabel. „Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird“, schrieb Zabel bei Instagram.
Der Profi und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel weiter: „Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen. Wenn wir die olympischen Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen predigen und auch nachhaltig glaubhaft vertreten wollen, dann darf ein solcher Vorfall nicht geduldet werden. Für Rassismus gibt es keine Entschuldigung.“
