Es geht um alles! Am Samstag (20 Uhr) findet in Berlin das Finale um den DFB-Pokal statt. In diesem Jahr stehen sich im Olympiastadion Bayern München und der VfB Stuttgart gegenüber. Noch ein Sieg und der Titel ist perfekt.
Hansa Rostock letzter FDGB-Pokalsieger
Nicht wenige Menschen im Osten werden dabei auch nostalgisch an die guten alten Zeiten des FDGB-Pokals zurückdenken, der in der DDR mit zwei Unterbrechungen von 1949 bis 1991 ausgetragen wurde. Letzter Sieger war Hansa Rostock, Rekordtitelträger sind der 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden mit je sieben Erfolgen.
1991 ist Schluss mit dem FDGB-Pokal
Vor nun 35 Jahren endete die ruhmreiche Geschichte des legendären Wanderpokals des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) in der DDR. Anlass genug für den Berliner KURIER, auf ausgewählte kuriose Spielzeiten zurückzublicken.

1969/70: Motor Grimma stürmt bis ins Viertelfinale
Für viele Menschen unvergessen ist sicherlich die Saison 1969/70, als der Leipziger Bezirkspokalsieger Motor Grimma reihenweise für Überraschungen sorgte. Nach dem 1:0-Erfolg über Motor Steinach in der 1. Runde folgten Siege gegen Chemie Böhlen (2:1) und den Hallescher FC Chemie (1:0).
Das Aus folgte im Viertelfinale, als sich Grimma als noch einzig verbliebener Bezirkspokalsieger 1:5 dem Vorjahresfinalisten FC Karl-Marx-Stadt geschlagen geben musste. Für Grimma war es trotz des bitteren Endes die beste Platzierung der Vereinsgeschichte im nationalen Pokalwettbewerb.
1974/75: Croy wird für Zwickau zum Pokal-Helden
Das Pokalfinale der Saison 1974/75 war das erste in der DDR, das im Elfmeterschießen entschieden wurde – mit besserem Ende für den krassen Außenseiter. Sachsenring Zwickau setzte sich mit 4:3 nach Elfmeterschießen gegen den großen Favoriten Dynamo Dresden durch. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 gestanden. Die Fuwo, das Fachblatt des DDR-Fußballs, titelte über diesen Coup aber nur nüchtern: „Dritter Pokalsieg für Zwickau.“ Die Schlagzeile erschien erst drei Tage später.
Dabei war das 24. Finale um den FDGB-Pokal eine Partie, die aus heutiger Sicht wohl ein Jahrhundertspiel wäre. Held des Tages vor 55.000 Zuschauern war Zwickaus Torwart Jürgen Croy. „Es war ein sensationeller Tag mit einem überragenden Ausgang“, sagte Croy im „Nordkurier“ über jenen 14. Juni 1975. Croy hielt im Elfmeterschießen die Schüsse von Gerd Weber und Hans-Jürgen Dörner – und verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 selbst. Die Sensation war perfekt.

Für Sachsenring war es der letzte große Titel, den die BSG holte. „Jeder Spieler ist damals an seine Grenzen gegangen“, erzählte Croy und fügte hinzu: „Dresden war zu der Zeit eine Elitemannschaft, die den DDR-Fußball beherrscht hat. Aber in einem Pokalfinale entscheidet eben ein Spiel.“ Dresden sei mit der Rolle des Favoriten wohl nicht zurechtgekommen. Die Mannschaft wirkte nervös, fand nicht zu ihrem Spiel. „Wir haben defensiv gut gestanden, nicht viele Chancen zugelassen“, blickte Croy zurück.
1984/85: Velten besiegt sensationell Carl Zeiss Jena
In der Spielzeit 1984/85 gelang Chemie Velten eine der größten Sensationen in der Geschichte des DDR-Fußballs. Der Drittligist warf in der 2. Hauptrunde Carl Zeiss Jena, Europapokal-Finalist von 1981 und Spitzenteam der Oberliga, mit 1:0 aus dem Wettbewerb. Zuvor hatten die Oberhaveler in der 1. Runde beim DDR-Liga-Absteiger Empor Tabak Dresden mit 4:2 gewonnen.
Der Sieg der Veltener gegen Jena war so unglaublich, dass der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ADN), die Nachrichtenagentur der DDR, das Ergebnis zunächst für einen Zahlendreher hielt. „Damit haben die gar nicht gerechnet, dass ein kleiner Verein wie wir gegen einen so großen Club gewinnen konnte. Es war auch schwer zu glauben, weil der große FC Carl Zeiss mit der besten Mannschaft angetreten war“, sagte Wolfgang Müller, der damals beim Bezirksligisten in der zweiten Hälfte eingewechselt worden war, im Interview mit der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“.
Es war auch schwer zu glauben, weil der große FC Carl Zeiss mit der besten Mannschaft angetreten war.
Die Feier anschließend auf dem kleinen Sportplatz brachte die Verantwortlichen an ihre Grenzen. Denn damit hatte niemand gerechnet. Wer konnte schon ahnen, dass das kleine Velten das große Jena schlägt? „Es war Wahnsinn, was das für ein Gewusel war. Die ganze Stadt war auf den Beinen und am Ende waren ja mehr als 6000 Zuschauer auf dem kleinen Sportplatz. Und dann machen wir auch noch in der dritten Minute ein Tor“, sagte Müller.
Das Aus von Velten kam dann im Achtelfinale beim 3:5 gegen Vorwärts Stralsund. Über allem stand aber der bis heute unvergessene Sieg über den großen Favoriten.






