Altmeister Stephen King lehrt uns wieder mal das Gruseln und schickt uns in eine Welt, in der alles anders ist als es aussieht. Die Rolling Stones kramen alte Schätze hervor und Deep Purple zeigt, dass auch Alter nicht vor Hardrock schützt. KURIER-Redakteur Stefan Henseke was die neuen Bücher, CDs und DVDs taugen.
Stephen King, Buch: Blutige Nachrichten (Heyne)

Stephen King schafft es immer wieder, einen zu überraschen. Nicht überraschend ist, dass der Erzählband „Blutige Nachrichten“ (Heyne, 560 Seiten, 24 Euro) unterhaltsam, spannend, handwerklich erstklassig und ein wenig schaurig erzählt ist. Überraschend ist die zweite von vier Geschichten: „Chucks Leben“. 80 Seiten, drei Akte, rückwärts erzählt. Eine Geschichte, die mit dem Finale beginnt. Wir lesen von der Welt von heute (anscheinend), die kollabiert. Alles spielt dabei mit rein. Klima-Katastrophe, Überbevölkerung, Technologiewahn. Nach 28 Seiten ist alles vorbei. Scheinbar. Denn das was wir da gelesen haben, ist nur eine falsche Fährte, von Stephen King meisterhaft gelegt. Und meisterhaft aufgeschrieben und ausgedacht: Obwohl wir das Unhappy-End kennen, ist es ungemein spannend, das Wollknäuel wieder aufzurollen und sich zum Anfang zu bewegen.
The Rolling, Stones, CD: „Goats head soup“ (Polydor)

Der Gitarrensound ist unverkennbar. Led Zeppelin. Jimmy Page. Zusammen mit den Stones. „Scarlet“ heißt der Song, 1973 eingespielt. Ein bisschen ungerecht, wenn man vor allem auf die Bonustracks schaut. Aber die sind das Besondere bei der Wiederveröffentlichung des Album-Klassikers (in neuer Stereo-Version). Darunter drei unbekannte Tracks, neben „Scarlet“ auch „Criss Cross“ und der stonestypische, süffige R&B-Shuffle „All the rage“. Muss man haben als Stones-Fan.
Deep Purple, CD: „Whoosh“ (Edel)

Beeindruckend, dass die Stimme von Ian Gillan auch mit 75 Jahren noch mitspielt. Die trägt Songs wie „Throw my bones“. Schwer und voluminös. Aber es fehlt, das muss man sagen, eine Gitarre wie damals die von Ritchie Blackmore. Eine, die Gillan unterm Hintern Feuer macht und antreibt. So klingt es manchmal etwas bräsig.
Angel Headed Hipster, CD: „The Songs of Marc Bolan & T.Rex“ (BMG)

Nein, natürlich, so gut wie Marc Bolan kann es kein anderer. Aber das Tribute-Album zeigt, dass die Songs von T.Rex auch heute noch funktionieren. Egal, ob sie möglichst originalgetreu (Kesha mit „Children of the revolution“) oder ganz eigen-melancholisch („Cosmic dancer“ mit Nick Cave) interpretiert werden. 27 großartige Versionen von Perry Farrell, Peaches, U2 oder Elton John.
Metallica & San Francisco Symphony, CD: „S&M 2“ (Universal)

Die Kombination klingt verrückt, aber das es funktioniert, hat ja schon das erste Album vor 21 Jahren gezeigt. Metallica meets Klassik. Kein Crash, sondern eine Liebesbeziehung. Songs wie „Master of puppets“, „For whom the bells tolls“ oder „Enter sandmann“ sind eine wahre Ode an die Freude.
DVD: „Kängeru-Chroniken“ (Warner)

Die „Kängeru-Chroniken“ (Warner, DVD – 12,66 Euro, BD – 13,69 Euro) sind auch ein Corona-Opfer. Am 5. März in den Kinos gestartet, mit über 320.000 Zuschauern gleich am ersten Wochenende, sah alles nach einem riesigen Kinohit aus. Bis in den Tagen darauf Kino um Kino schloss. 774.000 Besucher sind deshalb für den Film von Dani Levy immer noch großartig. Die Verfilmung des Kultbuchs von Marc-Uwe Kling, der selbst das Drehbuch schrieb, erzählt die Geschichte von Marc-Uwe, einem Kreuzberger Lebenskünstler und WG-Mitglied, der mit einem Kängeru, einem kommunistischem Kängeru, zusammenlebt. Als die WG von einem Immobilienhai, einem rechtspopulistischem, bedroht wird, dreht das Kängeru auf. Total durchgeknallt-liebenswerte Komödie.
DVD:„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (Warner)

