„Aktenzeichen XY“

Fall Inga: Elf Jahre nach dem Verschwinden – Polizei hat viele neue Hinweise

Sie war fünf Jahre alt, saß auf einem Spielzeugpferd – dann war Inga weg. Elf Jahre später sind bei den Ermittlern zahlreiche neue Informationen eingegangen.

Author - Sebastian Krause
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Inga Gehricke wird seit 2015 vermisst. Durch „Aktenzeichen XY“ bekam die Polizei neue Hinweise.
Inga Gehricke wird seit 2015 vermisst. Durch „Aktenzeichen XY“ bekam die Polizei neue Hinweise.Polizei Stendal, DPA

Es ist einer der rätselhaftesten Vermisstenfälle Deutschlands: Am 2. Mai 2015 verschwand die damals fünfjährige Inga Gehricke aus Sachsen-Anhalt – ohne eine Spur. Jetzt gibt es neue Bewegung.

Polizei hofft auf richtige Hinweise

Der Fall wurde in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt. Und dort machte Polizeihauptkommissar Michael Ripke deutlich, dass die Ermittler wieder Hoffnung schöpfen: „Wir haben tatsächlich sehr viele neue Informationen erhalten und erhoffen uns, dass da der entscheidende Hinweis dabei ist.“

„Wir sind guter Hoffnung“

Die neuen Hinweise weisen laut Ripke in verschiedene Richtungen. Sie werden nun alle überprüft. Mehr wollte der Beamte nicht verraten – aus ermittlungstaktischen Gründen. Nur diesen Satz: „Wir sind guter Hoffnung, dass da was Gutes dabei ist.“

Einsatzkräfte suchen in einem Waldgebiet bei Wilhelmshof die vermisste Inga. (Archivbild)
Einsatzkräfte suchen in einem Waldgebiet bei Wilhelmshof die vermisste Inga. (Archivbild)Lukas Schulze/dpa

Mit dem Fall befasst sich seit Frühjahr 2023 eine eigene Ermittlergruppe der Polizeiinspektion Halle. Zuvor lag die Zuständigkeit bei der Polizei in Stendal.

Zuletzt gesehen auf einem Spielzeugpferd

Was damals geschah, ist bis heute unklar. Das Mädchen aus Schönebeck war mit seiner Familie zu Besuch auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt. Der Hof ist eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Dort lebten Freunde der Familie Gehricke.

Wir haben tatsächlich sehr viele neue Informationen erhalten und erhoffen uns, dass da der entscheidende Hinweis dabei ist.

Michael Ripke, Polizeihauptkommissar

Die Erwachsenen bereiteten ein Grillfest vor. Gegen 18.40 Uhr wurde die im August 2009 geborene Inga zum letzten Mal gesehen – nach Angaben von Ripke auf einem Spielzeugpferd, das unweit eines Fußballplatzes und des Grillplatzes stand. Dann war sie verschwunden.

Polizei hofft: Inga könnte noch leben

Für die Ermittler ist der Fall keineswegs ein sicherer Todesfall. Da es keine Beweise gebe, die Gegenteiliges zeigen, gebe die Polizei die Hoffnung nicht auf, dass Inga heute noch lebt, betonte Ripke. Deshalb sucht die Polizei auch nach Hinweisen auf Mädchen, die anderen Menschen aufgefallen sind, weil sie plötzlich irgendwo aufgetaucht sind.

Schon einmal war der Kriminalfall Inga bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ Thema.

Archäologen und Geologen halfen bei der Suche

In der ZDF-Sendung gab Ripke auch Einblicke in die laufenden Ermittlungen. Bei der Suche haben die Beamten Unterstützung von Archäologen und Geologen bekommen. Zudem führten die Ermittler viele Jahre nach Ingas Verschwinden noch einmal ausführliche Gespräche mit Angehörigen – in der Hoffnung, auf kleine Details zu stoßen, die entscheidend sein könnten.

Dashcams und alte Wald-Fotos könnten helfen

Der Wilhelmshof liegt eher abgelegen in einem großen Waldgebiet. Deshalb sucht die Polizei bis heute nach Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Verschwindens auf der Straße aufgehalten haben, die zu dem Hof führt.

Besonders im Blick der Ermittler: Kameras, die in Autos verbaut sind. Deren Aufnahmen könnten neue Hinweise bringen, sagte Ripke. Denkbar wäre auch, dass Spaziergänger damals Fotos oder Videos gemacht haben, die der Polizei helfen könnten. „Auch wenn sie für den Besitzer keine Bedeutung mehr haben, für uns könnten sie von Bedeutung sein“, betonte der Polizist.

Hinweise aus der Bevölkerung werden unter 0345/224–1291 oder cold-case-wald@polizei.sachsen-anhalt.de entgegengenommen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com