Stell Dir vor, zum 1. Mai kommt das neue günstige Deutschlandticket – es fährt bloß keine Bahn! Genau das könnte Fahrgästen drohen. Nach der gescheiterten dritten Tarifrunde schieben sich Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gegenseitig die Schuld an den festgefahrenen Verhandlungen zu. Und die EVG will mit tagelangen Warnstreiks den Druck erhöhen. „Wir könnten die Bahn wochenlang lahmlegen“, drohte Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay in der Süddeutschen Zeitung tagelange Ausstände an.

Zwei Warnstreiks hätten eigentlich reichen müssen, um ein verhandlungsfähiges Lohnangebot von der Deutschen Bahn zu bekommen. „Aber die Bahn ist offenbar nicht an ernsthaften Verhandlungen interessiert“, so Ingenschay weiter.

Bahn-Berufsgruppen streiken im Wechsel
Die nächsten Warnstreiks werden deshalb länger dauern. Ingenschay: „Die Auswirkungen müssen offenbar massiver sein, damit es dem Arbeitgeber wehtut.“ Denkbar sei, dass die EVG nacheinander in unterschiedlichen Regionen Aktionen starte. Oder dass Zugbegleiter und andere Berufsgruppen im Wechsel streiken. Das seien aber alles noch Denkmodelle. „Das System der Bahn ist so fragil, wenn wir da ein paar Stellwerke rausnehmen, dann bricht alles zusammen. Die neuen Streiks könnten sich mehrere Tage auswirken“, sagte Ingenschay.
Die Deutsche Bahn hatte die Gespräche der dritten Verhandlungsrunde vergangenen Mittwoch für beendet erklärt. Grund sei die Weigerung der Gewerkschaft, über das neue Angebot der Bahn für rund 180.000 Beschäftigte zu verhandeln, hatte der bundeseigene Konzern mitgeteilt. Es sah neben einem steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleich von insgesamt 2850 Euro eine stufenweise Erhöhung ab März des kommenden Jahres von insgesamt zehn Prozent für die unteren und mittleren sowie acht Prozent für die oberen Lohngruppen vor.


