Für die 26 Millionen Rentner in Deutschland ist im Wahlkampfsommer 2021 eines ziemlich sicher: Nach der Nullrunde 2021 im Westen und 0,72 Prozent mehr im Osten werden ihre Bezüge 2021 voraussichtlich spürbar steigen. Doch die rosigen Aussichten sind nicht für alle Grund zur Beruhigung. Die Finanzierung wird unsicher. In den Wahlprogrammen der großen Parteien spiegelt sich der Reformbedarf wider.
Grund für die Quasi-Nullrunde 2021 war, dass die Löhne 2020 wegen der Corona-Krise nicht gestiegen waren. An ihnen orientiert sich das Rentenniveau. Jetzt stehen andere Zahlen im Raum: 4,8 Prozent mehr könnte es in den alten Ländern von Juli 2022 an laut Rentenversicherungsbericht geben, 2023 dann 3,15 Prozent - in Ostdeutschland 5,56 und dann 3,88 Prozent.
Die guten Rentenjahre dürften aber vorbeigehen. „Wenn die Jahrgänge, die in den 60er Jahre geboren wurden, in Rente gehen, wird das Verhältnis zwischen Leistungsempfängern und Einzahlern immer ungünstiger“, mahnt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.
100 Milliarden Euro Bundeszuschuss für die Rente
Steuermittel decken schon heute bereits rund 30 Prozent der Renten-Ausgaben: Mit 100 Milliarden Euro gab der Bund 2020 mehr als ein Viertel seines Etats dafür aus.

„Wir kommen nicht um eine Diskussion über ein steigendes Renteneintrittsalter herum“, sagt der Arbeitgeberpräsident und macht sich unbeliebt. Doch wann soll die Arbeit enden? Bislang läuft eine schrittweise Anhebung der Altergrenze von 65 auf 67 Jahre bis 2019.
Eine von der Regierung eingesetzte Rentenkommission verzankte sich 2020. Der Wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium schlug vor, die Grenze an die durchschnittliche, mutmaßlich steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das liefe auf 68 Jahre bis 2042 hinaus. Die Gewerkschaften lehnen das als Rentenkürzung durch die Hintertür ab, viele könnten gesundheitlich gar nicht so lange arbeiten.


