IG-Metall-Chef Jörg Hofmann schlägt vor, in der kommenden Tarifrunde eine Vier-Tage-Woche als Option für die Betriebe zu vereinbaren, um einen Stellenabbau zu verhinden. „Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben“, sagte Hofmann der Süddeutschen Zeitung. Eine Experten-Kommission sieht bei Deutschlands Autobauern bis zum Jahr 2030 bis zu 410.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Unternehmen wie Daimler, ZF und Bosch vereinbarten gerade kürzere Arbeitszeiten, sagte Hoffmann zur Begründung. Künftig solle allen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie dieser Weg offenstehen. „Mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können“, sagte der Chef der größten deutschen Gewerkschaft mit 2,3 Millionen Mitgliedern. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hatte sich nach wochenlangen Verhandlungen mit den Arbeitnehmern auf eine Senkung der Arbeitszeit um 20 Prozent geeinigt. Im Gegenzug verzichtet der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer bis Ende 2022 auf betriebsbedingte Kündigungen sowie Werkschließungen.

Als die IG Metall 2018 die Möglichkeit für Beschäftigte durchgesetzt hatte, die Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden zu reduzieren, hatten die Arbeitgeber einen Lohnausgleich weitgehend verweigert. Bei der Vier-Tage-Woche sieht Hofmann trotzdem nicht unbedingt einen Konflikt mit den Arbeitgebern. Die Betriebe hätten ein Interesse daran, Arbeitszeit zu reduzieren statt zu entlassen. „Das sichert Fachkräfte und spart zum Beispiel Kosten für einen Sozialplan.“
