Er ist einer der seltsamsten, aber auch berühmtesten Feiertage weltweit – an diesem Freitag wird wieder der Groundhog Day, der Murmeltier-Tag, begangen. Murmeltier Phil sagt im US-Bundesstaat Pennsylvania dabei voraus, wie der Frühling werden soll. Der Feiertag wurde weltbekannt durch den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, bei dem Bill Murray immer wieder am Groundhog Day aufwacht. Doch mittlerweile wird der Tag nicht mehr nur in den USA gefeiert. Auch in der Ukraine gibt es die Tradition schon seit langem.
Biologen der Karasin-Universität in Charkiw hatten sie einst übernommen. Das Team der Uni betreibt eine biologische Forschungsstation in dem kleinen Dorf Haidary, rund 40 Kilometer südlich der einstigen Millionenstadt Charkiw. Dort halten die Forscher auch eine kleine Population von Murmeltieren.

Murmeltier meint: Geduld und Einigkeit helfen der Ukraine zum Sieg
Die Nagetiere gibt es auch im Osten der Ukraine. Um für den Schutz der Tiere zu werben, kamen die Biologen daher auf die Idee, auch in Haidary einen Murmeltier-Tag zu veranstalten. Das bekannteste von ihnen heißt Tymko III. Er ist der Star des ukrainischen Murmeltier-Tages und traf auch in diesem Jahr die Vorhersage.
Wie auch sein Vetter Punxsutawney Phil in den USA konnte auch Tymko seinen Schatten nicht entdecken - der Frühling soll demnach dieses Jahr früher in die Ukraine kommen. „Tymko sagt, dass wir genug von unruhigen Frühlingen haben. Dieser Frühling wird ein ukrainischer werden. Wir warten also darauf, dass in sechs Wochen unser warmer ukrainischer Frühling kommt“, so Pflegerin Nadija Tokarska.
Was aber wohl noch wichtiger als die Wettervorhersage war, war die Frage, was den Ukrainern denn helfen würde, um den Krieg gegen Russland zu gewinnen. Auch hier sollte Tymko in die Zukunft schauen. Zur Auswahl standen ein Soldatenhelm, eine Drohne, ein Plüschtier der Kunstfigur Homunculus loxodontus, das für Geduld stehen sollte, und eine Karte des Landes mit den Worten „Einheitliche Ukraine“. Das Tier ging auf die Figur und die Karte zu. Dem Land würden demnach also Geduld und Einigkeit zum Sieg über Russland verhelfen.

Murmeltier-Tag in der Ukraine soll auf Artenschutz aufmerksam machen
Der Event erfreut sich auch mitten im Krieg Russlands gegen die Ukraine großer Beliebtheit. Wie in den USA übertragen Fernsehstationen das Ritual, die Presse berichtet. Dieses Jahr waren auch wieder ein paar wenige Schaulustige bei der Aktion dabei. Schon vor der Invasion sorgte die Aufmerksamkeit dafür, dass die Tiere auf die Rote Liste der Ukraine gesetzt wurden und nun Artenschutz genießen.
Das Murmeltier wurde während der russischen Besatzung der Region Charkiw in dem kleinen Ort Nesteriwka aufbewahrt und hielt dort Winterschlaf. Essen zu besorgen sei schwierig gewesen. „Wir haben illegal Brot für sie gekauft – da gab es einen Mangel“, berichtete Pfleger Wolodymyr Ronkin später.
Von der Besatzung habe man den Murmeltieren einfach nichts gesagt. „Wir wollten sie nicht verletzen. Ich denke, wenn wir es ihnen hätten erklären können, wären sie nicht gerade glücklich gewesen“, so der Pfleger liebevoll über die Tiere. Dennoch hätten die Tiere starke Nerven bewiesen. „Die Murmeltiere haben nicht auf die Schüsse reagiert, die Flugzeuge oder Hubschrauber. Sie haben sich versteckt, aber es gab keine Panik und dann kamen sie wieder raus und fraßen.“ Die Dorfbewohner hingegen seien während der Besatzung depressiv gewesen. Viele hätten sich versteckt. Im September 2022 dann wurde das Gebiet von der ukrainischen Armee befreit – zusammen mit den Murmeltieren.

Tymkos Prognosen treten zu 70 bis 80 Prozent ein
Den Veranstaltern liegt es deshalb besonders daran, dass der verrückte Feiertag weiter stattfindet. „Dies ist eines der wenigen Ereignisse und Traditionen, die während des Krieges nicht verschwinden. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass die Menschen Tymkos Prognose für das nächste Jahr, für das Frühjahr, hören“, erklärte Hrubnyk im vergangenen Jahr.
Und auch den Murmeltieren schadet der Tag nicht, auch wenn Tymko für die Aktion geweckt wurde. „Murmeltiere schlafen nicht den ganzen Winter wie Bären, in manchen Momenten kommen sie aus dem Winterschlaf, sie können an der Oberfläche pfeifen, sehen, was los ist. Sogar die Paarung bei Murmeltieren findet im Winter statt“, erklärt der Biologe Wolodymyr Hrubnyk.



