Die Theologin Margot Käßmann fühlt sich durch den Krieg in der Ukraine an Verdun im Ersten Weltkrieg erinnert. Das sagte sie laut Redemanuskript auf der Kundgebung des Bündnisses „Stoppt das Töten in der Ukraine“ am Sonntag auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Die Schlacht um Verdun im französischen Nordosten war eine der längsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Mehr als 300.000 junge Männer sind damals sinnlos ums Leben gekommen.
Stellungskrieg in der Ukraine ein „Wahnsinn“ sagt Käßmann
Mit Sorge sieht Margot Käßmann „eine beispiellose Militarisierung in Denken, Politik und Sprache“. Hinter Begriffen wie „Tapferkeit“, „Heldenmut“ und „totaler Sieg“ verbergen sich Menschen und unermessliches Leid. Der Tod werde mit „er ist gefallen“ umschrieben. „Gefallen? Nein: Getötet! Ermordet! Elendiglich verreckt, Soldaten doch ebenso wie Zivilisten.“ Wann Schluss sei mit diesem Wahnsinn und eine angemessene Verhandlungsposition erreicht, fragte die Theologin. Bei einer Million Opfern? Nein: „Jetzt, sofort.“

Käßmann tritt für einen Waffenstillstand ein, nicht für die Kapitulation der Ukraine
Käßmann tritt bei der Kundgebung für einen Waffenstillstand ein. Das heiße aber nicht Kapitulation, sagt sie, sondern durch ihn könne überhaupt erst mal untersucht werden, wie verhandelt werden könne. „Wir wollen nicht, dass noch mehr Waffen in das Kriegsgebiet geliefert werden. Mit diesen Waffenlieferungen, so hat es der Philosoph Jürgen Habermas eindrücklich herausgearbeitet, werden wir mitverantwortlich für all die Toten.“
Erst seien Helme geliefert worden, dann „ausschließlich Verteidigungswaffen“, dann „keine letalen Waffen“, dann Angriffspanzer. Die USA lieferten inzwischen sogar Streumunition. „Wir fordern die Bundesregierung auf, alle Kraft einzusetzen, damit massive internationale diplomatische Kraftanstrengungen zu einem Waffenstillstand und anschließenden Verhandlungen führen.“




