Bei der Landratswahl im südthüringischen Sonneberg hat der AfD-Politiker Robert Sesselmann fast die Hälfte der Stimmen erhalten und wäre beinahe zum ersten AfD-Landrat Deutschlands gewählt worden. Er bekam am Sonntag 46,7 Prozent der Stimmen, der CDU-Kandidat Jürgen Köpper 35,7 Prozent. Die Stichwahl zwischen beiden ist für den 25. Juni geplant. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.
Sesselmann ist AfD-Abgeordneter im Landtag. Die Thüringer AfD mit Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft und beobachtet.
Ministerpräsident Ramelow ärgert sich über niedrige Wahlbeteiligung
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich enttäuscht über die Wahlbeteiligung von 49,1 Prozent: „Die Hälfte, die nicht hingegangen ist, trägt auch ein Stück Mitverantwortung dafür, dass der AfD-Kandidat beinah aus dem Stand 50 Prozent gekriegt hat.“
Mit Blick auf die Stichwahl sagte Ramelow, er fände es gut, wenn sich auch lokale, exportorientierte Firmen zu Wort meldeten, um Sesselmann zu verhindern. Der habe im Wahlkampf Themen bedient, die nicht auf Landkreisebene entschieden würden.

Landkreis steht mit 5,1 Prozent Arbeitslosigkeit gut da
Wirtschaftlich steht der Landkreis (56.000 Einwohner) gut da, die Arbeitslosenquote lag im Mai bei 5,1 Prozent. Ramelow sagte, es sei ein Problem, wenn von der Region das Signal ausgehen würde, dass internationale Fachkräfte nicht mehr willkommen seien.
Höcke twitterte seine Prognose, Sesselmann werde die Stichwahl gewinnen.
Der Thüringer CDU-Chef Mario Voigt erklärte, die Wähler, die mit Stimmen für die AfD Protest hätten ausdrücken wollen, hätten das nun getan. „Aber jetzt geht es um die Frage: Sacharbeit, Vernunft und Fortschritt mit Jürgen Köpper – oder inhaltsleere Parolen, die den Landkreis gegen die Wand fahren?“
SPD und FDP werben jetzt für den CDU-Kandidaten
Nachdem die Kandidatinnen von Grünen und SPD es nicht in die Stichwahl geschafft hatten, warb Thüringens SPD-Chef Georg Maier für Köpper. Auch Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich sprach sich für Köpper aus: „Das Ergebnis der Landratswahl ist nicht gut für den Landkreis Sonneberg.“


