Immer wieder warnen auch in Deutschland Experten vor einer allzu engen Zusammenarbeit mit China. Dass die Chinesen vor allem bei Kooperationen zwischen Hochschulen das erlangte Wissen auch militärisch nutzen, gilt unter Fachleuten als ausgemacht.
„Das Bewusstsein ist hierzulande nicht ausgeprägt, wie andere Staaten das ausnutzen können“, sagt Dr. Sarah Kirchberger, Leiterin des Instituts für Sicherheitspolitik in Kiel (ISPK) den Kieler Nachrichten.
Intensive Zusammenarbeit des Geomar mit chinesischen Partnern
Umso besorgniserregender ist die Zusammenarbeit des Kieler Instituts Geomar mit chinesischen Partnerhochschulen. Das Meeresforschungsinstitut arbeitet seit Jahren eng mit der Ozean-Universität in der Hafenstadt Qingdao zusammen. Derzeit sind Dutzende chinesische Wissenschaftler in Kiel in Projekten oder als Doktoranden tätig. In China gibt es gar ein Zentrum für chinesisch-deutsche Kooperation, an dem die Kieler Christian-Albrechts-Universität und das Geomar beteiligt sind.
Das Geomar hatte auf Anfrage der Zeitung geantwortet, dass sich die Kooperation auf die Grundlagenforschung im Bereich Ozean und Klima sowie physikalische Ozeanografie beschränke. Technologie-Themen würden ausgeklammert. Auch überprüfe man Bewerber und deren Heimatinstitute auf bestehende Sanktionen.

China-Militär könnte Wissen für Unterwasserkartographie nutzen
So sei Ecomar nicht nur führend in Bezug auf Kartographierung des Meeresbodens, sondern auch bei der U-Boot-Technologie. Die Sicherheitsexpertin warnt, dass Staaten wie China sich selbst Grundlagenforschung zunutze machen und sie im Wettrüsten mit verbündeten Staaten wie den USA so leichter aufholen könnten. „China ist bei der Unterwasserkriegsführung weit zurück und versucht gerade, einen Riesenanlauf zu machen, um mit den USA gleichzuziehen“, so die Expertin.
Doch trotz aller Sicherheitsüberprüfungen lässt sich eine Nutzung der Forschungsergebnisse chinesischer Wissenschaftler durch das Militär wohl kaum verhindern. Im Dezember vergangenen Jahres warnte die Association for International Affairs aus Prag, dass es in der Europäischen Union bisher keine wirksamen Konzepte zum Schutz vor chinesischer Spionage gäbe. Chinesische Stellen würden zum Teil gezielt Forschung in Europa finanzieren, die China auch militärisch nutzen könne.
Chinas Armee finanziert europäische Forschung
In einer Studie fanden die Autoren auch die hauptsächlichen Interessengebiete der Chinesen. „Dazu gehören künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, integrierte Schaltkreise, Weltraumforschung, Erforschung neuer Materialien, Neurowissenschaften und Biotechnologie“, so die Autorin der Studie, Ivana Karásková.


