Es war wohl das letzte Mal, dass sie den Abgeordneten des Bundestags Rede und Antwort stand - und sie hat es offenbar genossen: Jedenfalls gab sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Regierungsbefragung teils launig, teils amüsiert. So listete die CDU-Politikerin auf die Frage des SPD-Abgeordneten Carsten Schneider nach der Nettokreditaufnahme in den kommenden Jahren im Detail die Zahlen bis 2025 auf und fragte dann zurück: „Stimmt das mit Ihrem Wissen überein?“
Eine übliche Merkel-Methode, mit trockenem Humor jene zu beschämen, die sie aufs Glatteis führen wollen.
In der Antwort auf eine Frage des FDP-Mannes Manuel Höferlin zum Stand der Digitalisierung merkte sie an: „Man glaubt's nicht, aber als ich Bundeskanzlerin geworden bin, gab's das iPhone noch nicht.“ Für Amüsement sorgt Merkel auch mit einem Hinweis auf die unter ihrer Kanzlerschaft eingeführte Grundrente. „Ein sehr umstrittenes Mittel, aber seitdem wir sie haben, spricht keiner mehr von ihr, deshalb würde ich sie gerne noch mal erwähnen.“

Als eine ihrer Antworten zu lange ausfiel, versprach Merkel: „Ich hole das bei der nächsten Frage rein.“ Das aufleuchtende gelbe Licht, dass bei jeder Antwort auf die ablaufende Redezeit hinweist, irritierte die Kanzlerin. „Da ich noch so viele Gedanken im Kopf habe, muss ich aufpassen, dass sie nicht durcheinander purzeln.“
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Wirklich gefordert wurde Merkel in den gut 60 Minuten nicht, dazu machten ihr es die Abgeordneten mit ihren oft langatmig formulierten Fragen zu leicht. Das kennt sie.
Wehmut über den bevorstehenden Abschied aus der Politik war bei ihr nicht zu verspüren, sogar die scharfen Falten an ihrem Kinn, die häufig einen Eindruck von Missgelauntheit verursachen, glätteten sich.
In diese Falle rannte Merkel nicht
Lachen musste Merkel, als ihr Ulle Schauws von den Grünen erklärte, seit sie Kanzlerin sei, könnten sich viele Mädchen vorstellen, selbst Politikerin oder Kanzlerin zu werden. Sollte es da in diesem Land nicht weiterhin eine Kanzlerin geben? Doch ein Plädoyer für die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ließ sich Merkel natürlich nicht entlocken. Ihre Antwort: „Ich bin der Meinung, dass nach 16 Jahren Angela Merkel die Bürgerinnen und Bürger mündig genug sind, ihre Entscheidung zu treffen, wen sie als Kanzler oder als Kanzlerin möchten.“

