Zum ersten Mal reist Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seit seinem Amtsantritt nach Afrika – und der Ukraine-Krieg wird ihn dorthin begleiten. Denn die russische Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine hat die Ernährungskrise vor allem auch in Ostafrika verschärft. Und das mit voller Absicht von Kremlchef Wladimir Putin, vermutet der langjährige deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch.
Er wirft Moskau vor, die durch den Ukraine-Krieg verursachte globale Versorgungskrise und die dadurch drohenden Fluchtbewegungen als Mittel der Kriegsführung zu nutzen. „Wladimir Putin versucht gezielt, Hungerkrisen im Nahen Osten und in Nordafrika zu erzeugen“, sagte von Fritsch im Berliner Tagesspiegel (Sonntagsausgabe) über den russischen Staatschef. Deshalb hindere Russland die Ukraine am Getreide-Export und bombardiere sogar Getreidesilos.
Putins Kalkül: Hungernde Menschen werden fliehen!
„Putins Kalkül besteht darin, dass nach dem Zusammenbruch der Getreidelieferungen die hungernden Menschen aus diesen Regionen fliehen werden und versuchen, nach Europa zu kommen – wie damals die Millionen Syrer, die vor den Schrecken des Krieges flohen“, sagte von Fritsch, der Putin in der Vergangenheit mehrfach persönlich getroffen hatte. „Mit neuen Flüchtlingsströmen will er Europa destabilisieren und politischen Druck aufbauen, damit westliche Staaten ihre harte Haltung gegen Russland aufgeben.“
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Dies sei „eine neue hybride Kriegsführung“, kritisierte der Diplomat, der in Kürze das Buch „Zeitenwende: Putins Krieg und die Folgen“ veröffentlicht.
Rasches Kriegsende unwahrscheinlich
Von Fritsch glaubt nicht an ein rasches Ende des Krieges. Putin habe mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar „das Schachbrett umgeworfen“ und „den erfolgreichen Versuch, in Europa gemeinsam Sicherheit zu schaffen, abrupt beendet“.
Für Putin komme eine Niederlage in der Ukraine nicht infrage, da er dort inzwischen um seine eigene Macht in Russland kämpfe, sagte der Ex-Botschafter. Daher sei die Wahrscheinlichkeit groß, „dass er versuchen wird, diesen Krieg fortzusetzen und zu eskalieren“.


