Als hätten die Flutopfer der überschwemmten Gebiete in Westdeutschland, Bayern und Sachsen nicht genug Leid erlitten: Viele stehen vor dem Nichts, haben keine Bleibe, ihr Hab und Gut ist vernichtet. Monate oder Jahre wird es dauern, bis die zerstörten Orte wieder aufgebaut sind. Die Betroffenen sind auf Hilfe angewiesen, doch unter die Helfer haben sich Leute gemischt, die die Not der Opfer schamlos ausnutzen.
Nazis tarnen sich als Kümmerer vor Ort – Falschnachrichten per Lautsprecher-Durchsage
Die Polizei in Koblenz, zuständig für den stark betroffenen Kreis Ahrweiler, warnt vor Rechtsextremisten, die sich als „Kümmerer vor Ort“ ausgeben.
(1/2) Uns ist bekannt, dass sich aktuell Rechtsextremisten als "Kümmerer vor Ort" ausgeben. Wir haben die Lage in Bezug darauf genauestens im Blick und mit zahlreichen Polizisten vor Ort. Polizeiliche Maßnahmen brauchen allerdings immer eine Rechtsgrundlage. Solange
— Polizei Koblenz (@Polizei_KO) July 20, 2021
Laut Polizei waren die falschen Helfer mit Fahrzeugen unterwegs, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen geähnelt hätten. „Über die Lautsprecher wird die Falschmeldung verbreitet, dass Polizei- und Rettungskräfte die Anzahl der Einsatzkräfte reduziert“, berichtet die Polizei über Twitter.
#FakeNews Fahrzeuge mit Lautsprechern, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähneln, sind im #Katastrophengebiet unterwegs. Über die Lautsprecher wird die Falschmeldung verbreitet, dass Polizei- und Rettungskräfte die Anzahl der Einsatzkräfte reduziert. Wir sind ununterbrochen da!
— Polizei Koblenz (@Polizei_KO) July 20, 2021
Ein Polizeisprecher sagte am Mittwoch, den Behörden sei bekannt, dass sich in dem von den Überflutungen besonders stark betroffenen Ahrweiler ein polizeiähnlicher Wagen mit der Aufschrift „Friedensfahrzeug“ bewege. „Eine solche Lackierung ist nicht verboten, solange nicht Polizei draufsteht, es kein Blaulicht trägt oder ein hoheitliches Polizeiwappen“, erklärte der Sprecher.
„Volkslehrer“ freut sich über Schwierigkeiten der Rettungskräfte
Reporter berichten, unter den falschen Helfern bekannte Gesichter der sogenannten Querdenker-Szene erkannt zu haben. So habe der Berliner „Volkslehrer“ Nikolai N., als Holocaust-Leugner verurteilt und regelmäßiger Gast bei Querdenker-Veranstaltungen, ein Lager in einer Grundschule in Bad Neuenahr-Ahrweiler bezogen. Von dort aus postet dieser nach eigenen Angaben Videos aus dem Katastrophengebiet bei Telegram, wo ihm 30.000 Abonnenten folgen.
Schwierigkeiten der Rettungskräfte beim kräftezehrenden Einsatz bejubelt der „Volkslehrer“ ausdrücklich: „Das ist großartig, weil wir damit endlich in die Selbstverantwortung kommen. Und zeigen können, dass wir diese ganzen BRD-Organisationen gar nicht brauchen“, zitiert der SWR aus einem der Videos.
Obskures Spendenkonto und Merkel-Hass
Auch eine weitere Figur der Querdenker-Szene macht sich die Hochwasser-Not zunutze: Der Sinsheimer Corona-Leugner Bodo Schiffmann. Er habe ein Spendenkonto eingerichtet, das angeblich Hochwasseropfern zugutekommen soll. Eine halbe Million Euro sei dort schon eingegangen, berichtet der SWR weiter.



