Angespanntes Warten: Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob der Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern wieder zum Einsatz kommt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Impfen mit dem Präparat am Montag ausgesetzt, einige Staaten hatten das vorher, andere danach getan. Anlass waren einige wenige Fälle von Thrombosen nach Impfungen, drei endeten in Deutschland tödlich.
Am Donnerstag wird eine Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde EMA erwartet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekundete bereits vorher ihr Vertrauen in das Astrazeneca-Produkt. Sie erwarte von der Neubewertung durch die EMA eine „sehr deutliche Aussage. Ich vertraue auf Astrazeneca. Ich vertraue dem Prozess der EMA.“
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Weniger Vertrauen hat sie in die Firma selbst. Astrazeneca habe für das zweite Quartal 180 Millionen Dosen für die EU zugesagt, werde aber nur 70 Millionen liefern. Biontech/Pfizer (200 Millionen) und Moderna (35 Millionen) dagegen hielten ihre Zusagen ein. Außerdem würden von Janssen/Johnson & Johnson von April bis Juni 55 Millionen Dosen erwartet.
Von der Leyen gab außerdem bekannt, die EU wolle einen digital und auf Papier verfügbaren Impfnachweis entwickeln, das „grüne Zertifikat“. Jeder, der geimpft, negativ getestet wurde oder von Covid-19 genesen sei, solle es bekommen. Die 27 Staaten sollen dann für sich entscheiden, in wie weit sie das Zertifikat beispielsweise dafür anerkennen, dass man bei einer Corona-Grenzschließung dennoch in ein anderes Land reisen kann.
Nachdem FDP und Grüne Spahn wegen des vorsorglichen Impfstoffs scharf angegriffen hatten, erklärte Uwe Janssens vom Intensivmediziner-Verband, der Minister habe nach der Warnmeldung des Paul-Ehrlich-Instituts gar nicht anders handeln können.
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Bei vielen Medizinern besteht die Hoffnung, dass mit Astrazeneca weiter geimpft wird, in Deutschland könnte nach der EMA-Bewertung am Freitag bei einer Bund-Länder-Runde darüber entschieden werden. Denn die Ansteckungsentwicklung ist schlecht, Charité-Virologe Christian Drosten erwartet zu Ostern ähnliche Zustände wie zu Weihnachten. Drosten: „Wir brauchen diese Impfung.“
