Ja, es gibt Kritik an der Einigung von Brüssel. Ja, einige Tadel dürften gut begründet sein. Und doch: Trotz aller Zugeständnisse an die Knauserer-Staaten dürfte sich das Trio der drei M - Merkel, Macron, Michel - insgeheim auf die Schulter klopfen. Denn man wird angesichts der allseits geäußerten Zufriedenheit über den Kompromiss den Eindruck nicht los, dass die drei M ziemlich genau das bekommen haben, was sie wollten.
500 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse für die von Corona nicht nur wirtschaftlich besonders hart getroffenen Länder wie Italien und Spanien: Mit diesem Vorschlag waren Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron ins Rennen gegangen. Dann redeten die Staatschefs unter Vermittlung von EU-Ratspräsident Charles Michel, redeten, redeten, redeten, und herausgekommen sind 390 Milliarden.
Da freuten sich die Knauserer Österreich, Niederlande, Schweden und Dänemark, weil sie gleichzeitig größere Rabatte beim EU-Haushalt herausholten - der deutsche Rabatt bleibt gleich. Dabei kann es gut sein, dass die Nordeuropäer mentalitätsbedingt die alte Basar-Weisheit nicht berücksichtigt haben: Mit dem Preis hoch rangehen, dann mit gequältem Gesichtsausdruck runterhandeln lassen und trotz 80 Prozent „Nachlass“ noch Gewinn machen.
