Wie ist das eigentlich, in einem Pflegeheim zu liegen und auf den Tod zu warten, möglicherweise von zahlreichen Krankheiten gezeichnet, die Familie ist entweder verstorben oder absent oder zerreißt sich zwischen den Anforderungen des Lebens und gelegentlichen Besuchen? Man möchte niemandem auf den Geist gehen mit seinen Gebrechen, den abnehmenden Fähigkeiten, dem eigenen Sterben. Eigentlich hätte man als alter Mensch mehr als genug damit zu tun, dem nahenden Tod ins Auge zu sehen.
Aber dann sind da noch die durch den Pflegenotstand überbeanspruchten Pflegekräfte, denen man ebenfalls nicht zur Last fallen will. Und nun auch noch Corona. Die erste Welle hat gezeigt, dass Deutschlands ohnehin schwerst überforderte Pflegebranche keine zusätzlichen Belastungen mehr vertragen kann. Die prozentual meisten Covid-Toten gab es in Pflegeheimen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete vergangene Woche von einem Heim, in dem drei Viertel der Bewohner infiziert wurden, ein Drittel ist verstorben. Viele Bewohner wurden wegen Überforderung nicht einmal mehr ins Krankenhaus gebracht, sie starben in ihren Zimmern. Allein.
