Berlin - „Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben“, dichtete Schiller - der Tod des Bundestags-Vizepräsidenten Thomas Oppermann bestätigt das auf das Traurigste: Der SPD-Politiker starb urplötzlich im Alter von 66 Jahren, wird jetzt in allen politischen Lagern betrauert. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans fasste es in wenige Worte: „Ein schwerer Schock für uns alle. “
Oppermann sollte am Sonntag gegen 19.15 Uhr bei „Berlin direkt“ vom ZDF zum Thema Bundestag und Corona sprechen, war für das Live-Interview in ein Max-Planck-Institut in Göttingen gekommen. Während der erste Beitrag der Sendung lief, kollabierte er plötzlich. Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios: „Wir haben noch im Vorgespräch den wie stets professionellen und entspannten Politiker erlebt.“ Oppermann wurde in die Uniklinik gebracht. Vergebens. Jede Hilfe kam zu spät.
Im Sommer hatte Oppermann bekannt gemacht, 2021 nicht wieder für den Bundestag zu kandidieren: „Nach 30 Jahren als Abgeordneter (...) ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas anderes zu machen.“ Und so erklärte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU): „Wer Thomas Oppermann zuletzt traf, erlebte einen Mann, der nach der Ankündigung seines Abschieds aus der aktiven Politik in sich zu ruhen schien und voller Vorfreude auf kommende Projekte war.“

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb: „Unser Land verliert einen versierten Politiker, der Bundestag einen herausragenden Vizepräsidenten und die SPD einen leidenschaftlichen und kämpferischen Genossen.“ Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wandte sich auf Twitter an den verstorbenen Freund: „Du warst ein großartiger Demokrat und ein wirklich feiner Kerl.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Ich bin bestürzt und traurig über den viel zu frühen Tod Thomas Oppermanns.“ Sie habe ihn als verlässlichen und fairen sozialdemokratischen Partner geschätzt.
