Nach dem Ansturm Hunderter Unterstützer von US-Präsident Donald Trump auf das Kapitol in Washington sind am Mittwoch Menschen in das Parlamentsgebäude eingedrungen. Das berichtete die US-Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Sicherheitsdienst des Gebäudes. Auch TV-Bilder zeigten Protestierende im Gebäude. Eine Frau sei am Mittwoch (Ortszeit) im Kongressgebäude von einem Polizisten angeschossen worden und später im Krankenhaus gestorben, sagte der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag. „Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.“
DC: lots of blood was spilled today by both the Capitol police & occupiers
— ELIJAH SCHAFFER (@ElijahSchaffer) January 6, 2021
Very serious injuries occurred, including a shooting
Many officers injured, some appeared to be hurt very badly as Trump supporters were throwing projectiles & in some cases violently assaulting them pic.twitter.com/TV77ip0etY
Kongressabgeordnete sprachen von einem "Putschversuch". Der gewählte Präsident Joe Biden nannte die Eindringlinge "Mob" und forderte den scheidenden Präsidenten Trump auf, den "Aufruhr" zu beenden. "Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu stöbern und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest. Es ist Aufruhr", sagte Biden am Mittwoch in seiner Heimatstadt Wilmington (Delaware).
Am Abend rief Trump seine Anhänger auf, "nach Hause zu gehen". In der aufgezeichneten Ansprache redete er erneut von "Wahlbetrug": Der Wahlerfolg sei ihm "gestohlen" worden - und er verstehe die Gefühle seiner Anhänger.
Schwerbewaffnete Einsatzkräfte sichern Kapitol
Bei der der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols durch Trump-Unterstützer wurde eine Frau angeschossen. Sie starb wenig später an ihren Verletzungen. Das bestätigte der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag. Contee weiter: „Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.“
BREAKING: revolution in process as Trump supporters break into the Capitol building, attacking police, breaking windows, and knocking down doors
— ELIJAH SCHAFFER (@ElijahSchaffer) January 6, 2021
Full anarchy at this “mostly peaceful” demonstration DC
The people have pushed through & are storming to main chambers pic.twitter.com/NW6VDDNBQw
Contee machte keine Angaben dazu, wer die Frau war, die im Kapitol angeschossen wurde. Es sei ein „tragischer Vorfall, und ich kondoliere der Familie und den Freunden des Opfers“, sagte er. Der Vorfall werde intern von der Polizei untersucht.
Nach übereinstimmenden Angaben US-amerikanischer Medien handelt es sich bei der Toten um eine 44-jährige Amerikanerin aus San Diego (Kalifornien). In US-Medien wird ein kurzes Video gezeigt, auf dem zu sehen ist, wie eine Frau von mehreren im Innern eines Gebäudes auf den Boden gelegt wird. Es soll sich hierbei um die tödliche verletzte 44-Jährige handeln. Laut New York Post schilderte ihr Mann sie als eine „überzeugte“ Trump-Anhängerin. Dazu wird ein Tweet gezeigt, den die Frau einen Tag zuvor bei Twitter abgesetzt haben soll. Darin hatte sie über den bevorstehenden Protest-Marsch vor das Kapitol getwittert: „Nichts wird uns aufhalten… Sie können es versuchen und versuchen und versuchen, aber der Sturm ist da und er steigt in weniger als 24 Stunden auf DC herab.“
Here’s the scary moment when protesters initially got into the building from the first floor and made their way outside Senate chamber. pic.twitter.com/CfVIBsgywK
— Igor Bobic (@igorbobic) January 6, 2021
Auch weitere Personen sollen verletzt worden sein, darunter ein Polizist. Das Weiße Haus teilte am Abend mit, Soldaten der Nationalgarde in die US-Hauptstadt würden entsandt. Stunden, nachdem der Tumult entbrannt war, betraten schwerbewaffnete Einsatzkräfte das Kapitol. Am Eingang des Gebäudes ausharrende Demonstranten wurden ohne Einsatz von Gewalt langsam nach draußen gedrängt.
Die beiden Kammern des Kongresses hatten ihre Sitzungen angesichts der Lage abrupt unterbrochen. Laut AP wurde der Parlamentssitz abgeriegelt. Wegen der Proteste ordnete die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, eine Ausgangssperre an.

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Im Inneren des Kapitols hatten sich beide Parlamentskammern zur Bestätigung der Ergebnisse der Präsidentenwahl vom November versammelt. Die Protestierenden bahnten sich den Weg bis auf die Stufen vor das Gebäude in Washington.
Der Fernsehsender CNN zeigte Bilder von Demonstranten, die in das Gebäude eingedrungen waren. Vor dem Kapitol kam es zu Rangeleien zwischen Trump-Anhängern und Sicherheitsleuten. Fernsehbilder zeigten eine große Menge von dicht gedrängt stehenden Menschen auf den Stufen direkt vor dem Eingang des Kapitols. Zuvor war auf Bildern mehrerer US-Medien zu sehen gewesen, wie Hunderte Unterstützer des amtierenden Präsidenten nach einer Rede Trumps auf den Parlamentssitz zumarschierten. Einige lieferten sich Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften und versuchten, näher ans Gebäude zu kommen.

Trump hatte in seiner Rede über angeblichen Betrug bei der US-Präsidentenwahl seine Anhänger dazu aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen, das den Senat und das Abgeordnetenhaus beherbergt. Bei seiner Rede forderte er Zehntausende anwesende Unterstützer dazu auf, sich den «Diebstahl» der Wahl nicht gefallen zu lassen.
1 hour before MAGA stormed the Capitol:
— Brent Black (@brentalfloss) January 6, 2021
Trump:
"We're going to walk down Pennsylvania Avenue... and we're going to the Capitol... we're going to try and give our Republicans ... the kind of pride and boldness that they need to take back our country."
He specifically incited it. pic.twitter.com/ROoVictxqa
Später rief der abgewählte US-Präsident dazu auf, die Polizeikräfte zu unterstützen. Und wörtlich - inmitten des Tumults: "Bleibt friedlich".
Please support our Capitol Police and Law Enforcement. They are truly on the side of our Country. Stay peaceful!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) January 6, 2021
Der «Washington Post» zufolge waren Angehörige von rechten Gruppen unter den Demonstranten, die die Menge weiter aufstachelten. Mindestens zwei zum Parlamentskomplex gehörende Gebäude in der Nähe waren demnach evakuiert worden.
Das US-Repräsentantenhaus und der Senat waren am Mittwoch in Washington zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl offiziell zu bestätigen. Dies ist üblicherweise eine Formalie im Nach-Wahl-Prozedere der Vereinigten Staaten. Diverse Republikaner aus beiden Kongresskammern hatten jedoch angekündigt, Einspruch gegen die Resultate aus mehreren US-Bundesstaaten einzulegen - angetrieben durch Trumps unbelegte Betrugsbehauptungen.
This video of the siege of the Capitol on TikTok is crazy and different than I had seen pic.twitter.com/JXwvKVLjxB
— Matt Jones (@KySportsRadio) January 7, 2021
Politische Störaktion ohne Erfolgsaussicht
Aussicht auf Erfolg hat die politische Störaktion nicht. Beide Kongresskammern müssten einem Einspruch zustimmen, was angesichts der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus als ausgeschlossen gilt.
Der Republikaner Trump hatte die Präsidentschaftswahl Anfang November mit deutlichem Abstand gegen seinen demokratischen Herausforderer Biden verloren. Trump weigert sich aber, seine Niederlage einzugestehen. Er behauptet, er sei durch massiven Betrug um den Sieg gebracht worden. Weder Trump noch seine Anwälte legten stichhaltige Beweise dafür vor. Dutzende Klagen des Trump-Lagers wurden bislang von Gerichten abgeschmettert, auch vom Obersten US-Gericht.
