Lausch-Zentrum mit Ladehemmung

Polizei kann erst ab 2027 mit veralteter Technik mithören

In Leipzig sollen Polizisten aus gleich fünf Bundesländern künftig Telefone abhören, Chats mitlesen und Verbrecher finden. Alle 5 Ost-Bundesländer sind dabei.

Author - Stefan Tappert
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So stellt man sich ein Abhörzentrum der Polizei ohne funktionierende Software vor.
So stellt man sich ein Abhörzentrum der Polizei ohne funktionierende Software vor.Mit KI erstellt

Es sollte der große Schlag gegen Schwerkriminelle werden. Doch stattdessen wird es zum Sinnbild deutscher Behörden-Pannen. Das Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum (kurz: GKDZ) lässt weiter auf sich warten. Statt 2024 heißt es nun: frühestens 2027. Und bis dahin? Abwarten, zahlen, hoffen.

IT-Chaos, Fachkräftemangel, Frust

Der Grund für die jahrelange Verzögerung klingt wie ein Behörden-Dreiklang des Grauens. IT-Probleme, Programmierpannen und Personalmangel. Besonders das Herzstück des Ganzen, das sogenannte TKÜ-System zur Telekommunikationsüberwachung, macht Ärger. Schon vor einem Jahr räumte das Sächsisches Innenministerium massive Schwierigkeiten ein.

Statt Hightech-Einsatz gegen Terror und Mafia heißt es bislang „Warten auf funktionierende Software.“

Ohne Abhörbetrieb bereits Millionen kassiert

Besonders pikant: Das beauftragte Unternehmen muss wegen der Verzögerung Schadensersatz zahlen. Satte 5,7 Millionen Euro sind bereits geflossen – monatlich kommt weiteres Geld dazu. Bezahlt werden davon unter anderem Personalkosten für aktuell 28 Beschäftigte. Am Ende sollen es rund 40 sein. Arbeiten tun sie. Nur eben noch nicht im Echtbetrieb.

Technik schon alt, bevor sie startet

Der Linken-Politiker Rico Gebhardt schlägt laut dpa Alarm. Die jahrelange Verzögerung könnte fatale Folgen haben. Seine Sorge: Server, Speicher, Technik – alles schon veraltet, bevor das Zentrum überhaupt richtig loslegt. Eine Ersparnis sei das nicht, sondern teuer erkaufte Zeitverschwendung.

Und das bei einem Projekt, das bereits 2017 per Staatsvertrag beschlossen wurde. Acht Jahre Planung mit null Abhörbetrieb.

Als der kleine Fabian verschwand, suchte die Polizei auch mit Spürhunden und Booten nach ihm.
Als der kleine Fabian verschwand, suchte die Polizei auch mit Spürhunden und Booten nach ihm.Bernd Wüstneck/dpa

Mithören nur bei schweren Verbrechen

Dabei geht es um ernste Fälle. Mord, Terror, organisierte Kriminalität sollen überwacht werden. Die Polizei darf nur dann bei Festnetz, Handy oder Messenger wie WhatsApp mithören. Doch während Kriminelle längst mit modernster Technik kommunizieren, kämpft der Staat noch mit Software-Updates.

Deutschlands Super-Lauschzentrum hört noch lange nur sich selbst beim Versprechenmachen zu. Start soll nun 2027 sein. Besser wäre, dass  die Technik dann nicht schon im Museum stehen muss.

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