Schnell weggeworfen, lange liegen geblieben. Auf den Boden geworfene Zigarettenkippen sind nicht nur hässlich anzusehen. Die Auswirkungen auf die Umwelt werden häufig unterschätzt.
49 Zigaretten pro Quadratmeter in Berlin
Die Zahl der Raucherinnen und Raucher geht stetig zurück, besonders bei Jugendlichen. Aber im Stadtbild sind die Überbleibsel des Rauchens weiter überall sichtbar. Zigarettenstummel sind laut Studien vielerorts der am häufigsten achtlos in die Umwelt geworfene Müll. Sie liegen an Stränden und in Wäldern, in Innenstädten und an Bushaltestellen, vor Gastronomien und an touristischen Sehenswürdigkeiten.
Durchschnittlich drei Zigaretten pro Quadratmeter fanden Forscher vor einigen Jahren in Berlin, das Maximum waren 49 pro Quadratmeter. Weltweit werden Schätzungen zufolge jedes Jahr 4,5 Billionen Zigaretten in die Umwelt geworfen. Am Ende landen sie durch Wind und Regen meist in Flüssen und Meeren. Eine einzige Zigarette kann einer Studie zufolge 1000 Liter Wasser verunreinigen. Bis zu 7000 Chemikalien und Schadstoffe kann sie laut Studien freisetzen, darunter krebserregende Substanzen.

Gewusst? Am schlimmsten sind die Filter!
Aufgrund giftiger Stoffe misst das Umweltbundesamt Zigaretten bei der Reduzierung von weggeworfenem Müll – sogenanntem Littering – „besondere Bedeutung“ zu. Problematisch sind laut Forschern vor allem die Filter. Sie bringen unter anderem Mikroplastik in die Natur. Einige Forscherinnen und Forscher rufen daher dazu auf, Zigarettenfilter zu verbieten. „Zigarettenfilter sind ein Marketingmittel, keine gesundheitsschützende Maßnahme“, schrieb eine internationale Wissenschaftlergruppe im März.
Wissenschaftler plädieren daher für mehr Aufklärung: Viele Raucherinnen und Raucher wüssten nicht, dass die Filter aus Plastik bestehen und die Umwelt belasten. In einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes 2018 gab jede fünfte Person an, zu glauben, dass Zigarettenkippen die Umwelt nicht belasten, da sie sich auf natürliche Weise im Wasser und in der Natur zersetzten.
So kreativ arbeiten die Städte gegen das Kippenproblem
„Hier beginnt der Main, nur Wasser darf rein!“ Mit diesem an Gullys gesprühten Spruch will die Stadt Würzburg dafür sensibilisieren, dass Zigaretten nicht in die Natur gehören. „Viele Raucher scheinen Gullydeckel als Mülleimer für ihre Kippen anzusehen und verkennen die Belastung für den Wasserhaushalt“, sagt Pressesprecher Georg Wagenbrenner.
Viele Kommunen setzen im Kampf gegen die Kippen neben Aufklärung sowie höheren Bußgeldern auf zusätzliche Aschenbecher. Alleine Sylt gibt nach eigenen Angaben jedes Jahr 10.000 Strandaschenbecher aus. Köln berichtet, dass vor dem Hauptbahnhof durch mehr Aschenbecher „eine extreme Verbesserung“ erzielt werden konnte. Studien zufolge helfen zudem Hinweisschilder mit Aufschriften wie „Wirfst du deinen Müll in die Umwelt?“ oder „Wirf ihn hier rein“. Manche Städte verteilen auch kostenlose Taschenaschenbecher.



