Die Lage scheint paradox: Schaut man auf die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und die Lageberichte etwa des Landes Berlin, spielt die Omikron-Variante so gut wie keine Rolle. Dennoch warnen Virologen davor, dass uns die fünfte Corona-Welle überrollen werde – wie eine „Wand“, so formulierte es der Chef-Virologe Christian Drosten der Berliner Charité. Wenige Hundert Fälle in Deutschland hat das RKI bislang überhaupt als Omikron-Verdachtsfälle eingestuft, und dennoch könnte die neue Virus-Variante innerhalb weniger Tage dominant werden, so schätzen führende Virologen die Lage ein.
Wie geht das zusammen? Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek erklärt im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, dass die Ergebnisse sogenannter Sequenzierungen nach positiven Coronatests mit einer Verzögerung von bis zu 14 Tagen vorliegen. Überhaupt, so Ciesek, wird nur ein geringer Teil von Corona-Abstrichen sequenziert, um herauszufinden, welche Virus-Variante vorliegt. Die Professorin geht davon aus, dass sich bereits deutlich mehr Menschen in Deutschland mit der Omikron-Variante infiziert haben, als bisher bestätigt ist.
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Innerhalb weniger Tage wird Omikron die Delta-Variante verdrängen
Etwa alle drei Tage, so Ciesek weiter, verdopple sich die Rate der Infizierten. Aus 100 werden so innerhalb von 3 Tagen 200, dann 400, 800 usw. Sie gehe davon aus, dass bereits zu Weihnachten Omikron die Delta-Variante verdrängt und zur dominanten Variante in Deutschland wird. Probleme sieht sie dabei weniger für die Ansteckung von Menschen, die geimpft und geboostert sind. Die hohe Ansteckungsrate führe jedoch zu Personalausfällen, was Ciesek anhand ihres eigenen Labors veranschaulicht: Fallen zu viele Mitarbeiter aus, könne die Forschung an Coronaviren dort nicht mehr weiterbetrieben werden.



