Risse in Häuserwänden, sogar eine Kirche wackelte bedrohlich. Es ist unglaublich, doch am Wochenende gab es in Deutschland ein Erdbeben – das stärkste seit 42 Jahren! Mehrere Stationen registrierten einen Spitzenwert von 4,7 auf der nach oben offenen Richter-Skala.
Betroffen war der Süden Deutschlands und angrenzende Regionen in Frankreich und der Schweiz. Den Ursprung hatte das Beben offenbar im Elsass. Es lag im französischen Sierentz in der Nähe von Mülhausen (Mulhouse). Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer südwestlich von Freiburg entfernt, teilten Experten mit. Auf deutscher Seite war vor allem die Region um Mühlheim in Baden-Württemberg betroffen.
Bei dem Erdbeben, das am Samstagabend registriert wurde, gab es zwei heftige Stöße. Laut Erdbebendienst Südwest wurde um 17.58 Uhr das erste Beben auf deutscher Seite in der Region Lörrach registriert, zehn Minuten später erfolgte ein zweiter Stoß. Die Stöße waren auch in weiten Teilen Südbadens deutlich wahrzunehmen - zum Teil auch im Raum Tübingen. Insgesamt soll der Radius laut Erdbebenzentrale 120 Kilometer betragen haben, berichtet der Südwestfunk (SWR).
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Auch der Schweizer Erdbebendienst registrierte das Beben, ermittelte ebenfalls einen Wert von 4,7. Das Beben sei bis Mainz spürbar gewesen, hieß es.
Der Schweizerische Erdbebendienst ermittelte nach manueller Auswertung Magnitude 4.7 und eine Tiefe von 13 Kilometern. Das #Erdbeben war spürbar bis Mainz, Ulm und Konstanz sowie auch vereinzelt im südlichen Niederrheingebiet. Nahe des Epizentrums gab es leichte Schäden. pic.twitter.com/u7mybuynEB
— Erdbeben Deutschland (@ErdbebenDE) September 10, 2022
Das Internetportal „Erdbebennews.de“ berichtet, dass sie 13 Schadensmeldungen aus deutschen Orten erhielten – über Risse in Wänden. In der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein (Kreis Lörrach) wurden Besucher kurz vor Beginn des Gottesdienstes von dem Beben überrascht. Wie Augenzeugen dem SWR schilderten, schien es, als wackle die Kirche.

Französische Medien melden ebenfalls rissige Gebäude, vor allem aus Mülhausen. Selbst in der Schweiz waren wohl noch Gebäude betroffen.
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Größere Schäden oder Verletzte in Deutschland gab es offenbar nicht. Ein Sprecher der Polizei Freiburg sagte dem SWR am Sonntag, dass ihm keine Meldungen darüber vorliegen. Viele besorgte Bürger hätten allerdings nach den Erschütterungen am Samstag bei der Polizei angerufen.
Uhm, Ernst gemeint... Kann's sein, dass im Raum südliches Rheinhessen gerade ein kleines Erdbeben war? Unser ganzes Haus hat gewackelt.
— Rueckenwieder (@Rueckenwieder) September 10, 2022
LKWs oder so spüren wir hier oben im 6. Stock normal nicht.
Tweet eines Anwohners: Müllheim, 10.09.2022, gegen 18.00 Uhr
Erst ein grollen, beben, das immer mehr wurde, dann ist das ganze Haus wie ein Schiff hin und her geschaukelt. Dachte das Haus stürzt gleich ein. Habe mich schnell unter den Türrahmen gestellt, falls das Haus einstürzt.
Risse im Mauerwerk.
Wenn‘s mit 4.3 schon sehr deutlich spürbar schaukelt in der Bude, ahnt man, was die Richter-Skala nach oben zu bieten hat…#erdbeben #basel pic.twitter.com/4svinsUxUB
— Christian Hansen (@plainlyhansen) September 10, 2022
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Dennoch: „Das Beben war stärker als alles, was in den letzten Jahren passiert ist. Für Deutschland und angrenzende Gebiete war es das stärkste seit 2004, für den Oberrheingraben sogar das stärkste seit 1980“, so die Experten von Erdbebennews.de.
Geologisch ist der Oberrheingraben für das Beben verantwortlich. Ein Gebiet, das als Deutschlands aktivste Erdbebenregion gilt. Der Oberrheingraben ist eine etwa 300 Kilometer lange und bis zu 40 Kilometer breite Senke zwischen Basel und Frankfurt/Main. Sie verdankt ihre Entstehung einer Schwachstelle in der Erdkruste.
Eben hatten wir hier einen kräftigen Rumms und das Haus hat kurz gewackelt. #Erdbeben pic.twitter.com/TkjPoc8G5g
— Susanne Aust (@susanne_aust) September 10, 2022
Die Erdbeben-Experten erklären : Mehr als 40 Schadenserdbeben im Oberrheingraben sollen historisch belegt sein. Darunter lokal schwere Schäden in Rastatt (1728) und 1952 im französisch angrenzenden Seltz. Auch das Sierentz-Erdbeben von 1980 fällt in diese Kategorie, das auch in Deutschland zu spüren gewesen sein soll.
Der Oberrheingraben entstand laut der Experten während der Alpenauffaltung. Die Bewegungsrichtung habe sich aber im Laufe der Jahrmillionen gewandelt. Von einer ursprünglichen Krustendehnung, die das tief eingeschnittene Tal erschuf, wurde es zu einer horizontalen Verschiebung, heißt es. Statt der stetigen Trennung von Deutschland und Frankreich rutscht Frankreich nun mit wenigen Millimetern pro Jahrzehnt nach Süden und Deutschland nach Norden.
