Schon als die deutschen Behörden Anfang Juni öffentlich machten, dass sie im Fall Maddie McCann Mordermittlungen aufgenommen hatten, war der Aufschrei in Großbritannien riesig. War Maddie wirklich tot? Und wieso war sich die deutsche Polizei so sicher? Damals sagte der ermittelnde Staatsanwalt Hans Christian Wolters noch, dass es die „rein theoretische Möglichkeit“ gebe, dass Maddie noch am Leben sei. Diese Möglichkeit sieht er nun wohl nicht mehr. In einem Interview mit dem RTP, dem öffentlich-rechtlichen Sender Portugals, sagte er, es gebe Beweise dafür, dass Maddie tot sei.
Auf die Frage der portugiesischen Reporterin, ob es „materielle Beweise“ für Maddies Tod gebe, antwortete der Staatsanwalt mit einem knappen „Ja“. Als die Reporterin nachhakt und wissen will, welche Beweise es denn gebe, weicht Wolters aus. „Zu den Sachen, die wir haben, kann ich nichts sagen“, teilte er mit. Die Reporterin brachte ein mögliches Video ins Spiel, das Maddie tot zeige, doch Wolters wollte das „weder bestätigen noch dementieren“. Ob diese „materiellen Beweise“ möglicherweise mit der Durchsuchung einer Kleingarten-Parzelle in Hannover im Juli zusammenhängen, wurde in dem Interview nicht thematisiert.

Als Verdächtigen im Fall Maddie gilt der Deutsche Christian B. Er sitzt aktuell eine Gefängnisstrafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab, ist aber auch bereits wegen sexuellem Missbrauch strafrechtlich in Erscheinung getreten. Laut der „FAZ“ wurde B. noch vor seinem 18. Geburtstag wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Um der Haftstrafe zu entkommen, wanderte er erstmals nach Portugal aus, wurde dort aber geschnappt und nach Deutschland ausgeliefert.
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