Über Stunden haben in der Kleinstadt Heide in Schleswig-Holstein mehrere Mädchen eine 13-Jährige gepeinigt, erniedrigt, bespuckt. Das Unfassbare: Die üblen, kaum zu ertragenden Szenen wurden aus nächster Nähe aufgenommen. Ausschnitte kursieren in den sozialen Medien und werden von rechten Hatern als erneuter Beweis dafür verwendet, dass Integration von migrantischen Familien gescheitert sei.
Mittäterin behauptet: „Ich wurde von einem anderen Mädchen gezwungen“
Solche pauschalen Aussagen fallen immer wieder, wenn von Jugendgewalt die Rede ist, deren Täter meist männlich sind. Eine Überprüfung von rassistisch motivierten Vorwürfen etwa zu den Silvesterkrawallen in Berlin hatte allerdings ergeben, dass viele der Krawallmacher sehr deutsche Vornamen tragen. Die Aufnahmen aus Heide wiederum sind ein gefundenes Fressen für Ausländerfeinde, zum anderen verwundern sie: Denn die Täterinnen sind alle weiblich.
Was bringt Mädchen im Teenageralter dazu, ein anderes Mädchen zu quälen? Eine Reporterin des Fernsehsenders RTL hat mit einer der Tatbeteiligten gesprochen. Zum einen räumt der Teenager die Tatbeteiligung ein, zum anderen versucht das Mädchen sich rauszureden: „Ich wurde von einem anderen Mädchen gezwungen“, behauptet die Heranwachsende. Ob man das glauben kann? Die Videoaufnahmen vermitteln einen anderen Eindruck.
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Psychologe: „Gruppen verleiten dazu, Grenzen zu überschreiten.“
Die Befragte behauptet weiter: „Ich hatte Mitleid.“ Wenn es so gewesen sein sollte, wieso hat sie dann nichts unternommen, um das Treiben zu stoppen? Ein von RTL befragter Psychologe gibt eine Erklärung, wie das alles zusammengeht: In der Gruppe agieren Täterinnen und Täter möglicherweise anders, als sie individuell fühlen und entscheiden würden. „In der Gruppe fühlt man sich stärker, Gruppen verleiten auch dazu, Grenzen zu überschreiten.“
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