Soziale Ungleichheit macht auch vor Krebs nicht halt. Ein deutsches Forschungsteam hat Daten aus acht Bundesländern analysiert und kommt jetzt zu dem schockierenden Ergebnis: Es gibt zwar immer weniger Menschen, die an Krebs erkranken, aber das gilt vor allem für reiche Regionen.
Arme Menschen im Kampf gegen Krebs angehängt
Schon seit Jahren weiß man, dass soziale Ungleichheit die Gesundheit beeinflusst. Das belegen Studien aus Deutschland und anderen Ländern. Was Krebsneuerkrankungen angeht, sieht es in Deutschland eigentlich gut aus: Jedes Jahr erkranken weniger junge Leute an Krebs. Aber anscheinend gilt auch hier: Wer arm ist, ist arm dran.
Das Team um Lina Jansen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersuchte die Krebsdiagnosen von acht deutschen Bundesländern mit insgesamt 49 Millionen Einwohnern, also etwa 60 Prozent der deutschen Bevölkerung, und stellte fest: Die Neuerkrankungsrate für alle Krebsarten geht weniger stark zurück, je stärker eine Region sozial benachteiligt ist.

Krebs: Ungerechtigkeit für arme Menschen wird immer größer
Beunruhigend: Die Ungleichheit wird sogar immer stärker. 2007 hatten Männer in armen Regionen noch eine um sieben Prozent höhere Rate an Neuerkrankungen als Männer in reichen Regionen. 2018 lag man auf einmal bei einem Unterschied von 23 Prozent, also mehr als dreimal so viel!
Besonders krasse Unterschiede gibt es bei Lungenkrebs. Wer in einer armen Gegend wohnt, ist als Mann um 82 Prozent anfälliger für Krebs, als Frauen sogar um ganze 88 Prozent.
Krebs bei Armut wegen ungesunden Lebensstils
Warum ist das so? Forschungsleiterin Jansen sagt: An der Gesundheitsversorgung liegt es nicht. Ärmere Regionen haben in etwa genauso viele Ärzte und Krankenbetten wie die reichen. Stattdessen ist wohl auffällig, dass in ärmeren Gegenden mehr Tabak und Alkohol konsumiert wird, mehr Leute übergewichtig sind und sich weniger bewegen. Alles Faktoren, die das Krebsrisiko erhöhen.



