Nein. Wir leben nicht mehr in den 1950er Jahren und doch müssen sich viele Frauen in etwa so fühlen. Denn Kinder zu bekommen ist laut einer Studie noch immer mit starken Einkommenseinbußen verbunden. Grund dafür ist das noch immer vorherrschende Bild eine "männlichen Ernährers".
Aus der neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung, über welche die "FAZ" berichtet, geht hervor, dass Frauen trotz verbesserter Betreuungsangebote noch immer heftige Abschläge bei ihrem Einkommen machen müssen. So liege das sogenannte Lebenserwerbseinkommen im Schnitt um mehr als 40 Prozent niedriger als bei kinderlosen Frauen, wenn eine Frau nur ein Kind hat.
Bekommt eine Frau drei oder mehr Kinder, betrage der Einkommensrückstand im Vergleich zu kinderlosen Frauen sogar im Schnitt fast 70 Prozent, zitiert das Blatt aus der Untersuchung. Als Hauptgrund werde darin genannt, dass in der Gesellschaft "faktisch nach wie vor das Modell des männlichen Ernährers" beziehungsweise der Frau als bloßer Zuverdienerin dominiere. Weil dies auch für die Jüngeren gelte, werde die Einkommenslücke zwischen kinderlosen Frauen und Müttern immer größer.
Frühere Studien zeigen geschlechterspezifische Ungleichheit
Schon im Jahr 2017 zeigte eine Studie der Hans Böckler Stiftung, dass Frauen in Partnerschaften mehr Zeit mit unbezahlter Arbeit wie Haushalt oder Kindererziehung verbringen als Männer, die wiederum durch diese Freiheit mehr Zeit mit bezahlter Arbeit verbringen können.
Eine frühere Bertelsmann-Studie mit identischer Methodik hatte im Frühjahr gezeigt, dass Männer über das Arbeitsleben hinweg beinah doppelt so viel Geld verdienen wie Frauen. Westdeutsche Männer kommen demnach auf ein durchschnittliches Gesamteinkommen von 1,5 Millionen Euro bis zu ihrem 60. Lebensjahr, westdeutsche Frauen hingegen nur auf 830.000 Euro. In der neuen Untersuchung wurde nun der Frage nachgegangen, wie stark diese Diskrepanz von der Entscheidung für Nachwuchs sowie der Kinderzahl abhängt.
