Was geschah am Tag der Tat?

Mord an Fabian aus Güstrow: Zeugen verraten Details, Rätsel wird größer

Im Prozess um den Mord an Fabian sagten bereits mehrere Zeugen aus, die den Jungen oder das Auto von Gina H. gesehen haben wollen.

Author - Florian Thalmann
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Der Geländewagen von Gina H. wurde schon Anfang November sichergestellt. Mehrfach wurden im Mordprozess um Fabian aus güstrow nun schon Zeugen gehört, die das Auto beobachtet haben wollen.
Der Geländewagen von Gina H. wurde schon Anfang November sichergestellt. Mehrfach wurden im Mordprozess um Fabian aus güstrow nun schon Zeugen gehört, die das Auto beobachtet haben wollen.Philip Dulian/dpa, Polizei

Mehr als 60 Zeugen sollen im Mordprozess um den toten Fabian aus Güstrow aussagen – jeder einzelne Prozesstag wird deshalb mit Spannung erwartet. Besonderer Fokus lag dabei jetzt auch schon mehrfach auf dem markanten Geländewagen der Hauptverdächtigen Gina H. Bei der letzten Verhandlung wurden erneut Zeugen vernommen, die Beobachtungen zu dem Wagen gemacht haben wollen. Allerdings scheint das nicht unbedingt hilfreich zu sein: Die Aussagen machen das Mord-Rätsel um Fabian nur noch größer.

Gina H. ist die Verdächtige im Fall Fabian aus Güstrow

Noch immer muss sich Gina H. vor Gericht verantworten – sie ist die Hauptverdächtige im Fall Fabian aus Güstrow und wird verdächtigt, den acht Jahre alten Jungen getötet zu haben. Besondere Brisanz hat ihr Auto, ein orangefarbener Geländewagen, der schon bei der Verhaftung der heute 30-jährigen Frau konfisziert wurde. Der Grund: die Ermittler müssen natürlich den genauen Tathergang konstruieren – und dafür ist es wichtig, dass bekannt ist, wo das Auto zu welcher Zeit war.

Schon in der vergangenen Woche sagten Zeugen zum Auto aus – und nun waren erneut Zeugen geladen, die das Auto gesehen haben wollen. So wurde vor Gericht eine Nachbarin vernommen, die schräg gegenüber von Fabian und seiner Mutter Dorina L. wohnte und die den Wagen am Tag von Fabians Verschwinden in der Nähe des Hauses sah. Schon am 24. Oktober sei die Polizei bei ihr gewesen und habe sie befragt. Als die Beamten ihr ein Foto des Wagens zeigten, habe in ihrem Körper alles gezittert. Der Grund: Die 36-Jährige hatte das Auto am Tattag gesehen.

Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben. Sie muss sich in dem Mordprozess aktuell vor Gericht verantworten.
Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben. Sie muss sich in dem Mordprozess aktuell vor Gericht verantworten.Bernd Wüstneck/dpa

„Ich bin wie ferngesteuert mit dem Beamten gegangen und habe ihm genau gezeigt, wo es stand“, sagte sie. Das Auto habe in einer bestimmten Parklücke gestanden. Zwischen 10.30 Uhr und 10.40 Uhr habe der Wagen dort geparkt.

„Das war schon ein Hingucker, dieses Auto.“ Sie habe den Wagen gesehen, als sie vom Einkaufen kam. Das Problem: Aufnahmen der Überwachungskamera eines Elektroladens in der Nähe zeigen laut einem Bericht von BILD, dass die Zeugin mit ihrem eigenen Auto erst 10.45 Uhr auf ihren eigenen Hof fuhr.

Gegen 10.45 Uhr holte Gina H. Fabian zu Hause ab

Vorher fuhr das Fahrzeug von Gina H. einmal die Straße entlang, etwa zehn Minuten später in entgegengesetzter Richtung stadtauswärts. Die Zeugin musste ihre eigene Aussage daraufhin korrigieren. Trotzdem ist sie sicher, das Auto gesehen zu haben.

„Da habe ich noch zu meinem Mann gesagt: Das ist aber ein schickes Auto. Es stand definitiv da. Zu 100 Prozent.“ Verlässlich scheint dank der Aufnahme der Überwachungskamera auf jeden Fall: Gina H. fuhr mit ihrem Wagen kurz vor 10.45 Uhr die Straße entlang – und zehn Minuten später wieder stadtauswärts.

Es ist scheinbar der Zeitraum, in dem sie Fabian zu Hause abholte. Laut Anklageschrift begab sich Gina H. „am 10.10.2025 gegen 10.43 Uhr mit ihrem Ford Ranger zur Wohnanschrift des Fabian L. und dessen Mutter Dorina L. in Güstrow“. Auf welche Weise die 30-Jährige den Jungen aus dem Haus lockte, ist hingegen vollkommen unklar.

Staatsanwalt Harald Nowack hatte im Vorfeld des Verfahrens bereits geäußert, dass diesen Vorwand nur zwei Menschen kennen – die eine wolle ihn nicht sagen, der andere könne ihn nicht mehr sagen.

Fabians Mutter Dorina L. tritt im Prozess um den Mord an ihrem Sohn als Nebenklägerin auf.
Fabians Mutter Dorina L. tritt im Prozess um den Mord an ihrem Sohn als Nebenklägerin auf.Bernd Wüstneck/dpa

Auch eine andere Aussage macht stutzig. Vor Gericht wurde auch ein 46 Jahre alter Mann befragt, der das Auto im Ort Zehna sah. Das Dorf liegt etwa 15 Autominuten von Güstrow entfernt. Der Mann gab vor Gericht an, dass er Fabian aus Güstrow in dem Örtchen gesehen haben will. Er war auf dem Weg zum Einkaufen, als er in Höhe der Feuerwehr von Zehna einen Jungen auf der Straße stehen sah. Er sei etwas pummelig gewesen und habe blonde Haare gehabt. Der Junge trug eine helle Jeans, einen blauen Pulli und helle Schuhe.

Zeige sah Fabian aus Güstrow laut Berichten gegen 11 Uhr

„Das war für mich eine untypische Zeit, dass ein Junge in dem Alter da allein steht“, sagte er Zeuge laut Berichten. Der Junge habe einen nervösen Eindruck gelacht – es habe sich sicher um Fabian gehandelt. An einer Kreuzung habe der Mann dann auch den orangefarbenen Geländewagen von Gina H. gesehen – und ist sich auch dabei sehr sicher. Die Frage ist: Was machten Gina H. und der kleine Fabian in Zehna – und warum wurde der Junge hier auf der Straße gesehen? Der Ort Klein Upahl, in dessen Nähe sich der Tatort befindet, ist von Zehna weitere zehn Autominuten entfernt.

Gegen 11 Uhr konnte der Zeuge beobachten – wenn das stimmt, lässt sich damit der Todeszeitpunkt von Fabian zumindest etwas weiter einengen. Denn bisher gingen die Ermittler davon aus, dass der Junge zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr starb. Um 11 Uhr wäre er aber laut der Aussage noch am Leben gewesen.

Die Ermittler glauben, dass Gina H. mit dem Achtjährigen erst in ein Waldstück fuhr, dort soll sie ihr Smartphone deaktiviert haben. Dann ging es weiter nach Klein Upahl. Hier soll sie mit Fabian zu dem Tümpel gelaufen sein. Dort habe sie ihn, so die Staatsanwaltschaft, mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet. Ob es wirklich so passiert ist, soll der Prozess zeigen. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.