Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. In einer brasilianischen Gemeinde sorgt eine missglückte Restaurierung religiöser Skulpturen für Spott, Empörung und eine Debatte über den Umgang mit Kulturerbe.
Als seien Jesus und Maria von Kindern geschminkt
Bei dieser kuriosen Geschichte aus Brasilien geht um die Figuren des Kalvarienberg-Denkmals in in der Stadt Carmo do Cajuru. Die ursprünglich weiß gehaltenen Skulpturen waren aufgrund von Witterungsschäden überarbeitet worden. Doch dann trauten die Anwohner kaum ihren Augen. Die Heiligenfiguren sahen aus, als seien sie von Kindern geschminkt worden.
Fotos der „verschönerten“ Skulpturen verbreiteten sich schnell in den sozialen Netzwerken. Dort schwankten die Reaktionen zwischen Entsetzen, Spott und Häme. Einige Nutzer bezeichneten die Arbeiten als „Verunstaltung“ oder als Beschädigung kulturellen Erbes. Andere überlegen spöttisch, ob hier ein Restaurator oder ein Visagist am Werk gewesen sei. Einer fragt: „Mein lieber Herrgott ... Wer um alles in der Welt hat das gemacht?“
Gesichter wie aus dem Grusel-Kabinett



Die Stadtverwaltung sah sich angesichts der Aufregung zu einer öffentlichen Erklärung gezwungen. Darin stellte das Rathaus klar, dass die Arbeiten weder von der Kommune beauftragt noch genehmigt worden seien. Die Verantwortung liege nicht bei der Stadt.
Tatsächlich war der Auftrag vom Pfarrgemeinderat vergeben worden. Doch selbst dort zeigte man sich mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden. Gegenüber brasilianischen Medien erklärten die Verantwortlichen, man habe die Skulpturen zwar wegen altersbedingter Schäden instand setzen wollen, sei vom Resultat jedoch enttäuscht.
Peinliche Restaurierung schnell wieder entfernt
Die Reaktion erfolgte ungewöhnlich schnell: Noch am Tag der öffentlichen Kritik wurden die auffälligen Farbakzente wieder entfernt. Die Gesichter der Figuren erhielten erneut ihr ursprüngliches weißes Erscheinungsbild. Nun soll ein spezialisierter Restaurator beauftragt werden, um die Arbeiten fachgerecht fortzuführen. Auch die Kirche Nossa Senhora do Carmo räumte ein, die umstrittene Bemalung sei „auf fehlerhafte Weise“ ausgeführt worden.
Erinnerung an Fresko-Pfusch in Spanien
Dieser Pfusch am Denkmal erinnert an eine berühmt verwordene missglückte Restaurierung in Spanien: Im Jahr 2012 versuchte die damals 81‑jährige Hobby-Malerin Cecilia Giménez im Ort Borja, das beschädigte Fresko „Ecce Homo“ eigenständig zu restaurieren. Dabei veränderte sie vor allem das Gesicht Christi so stark, dass das Ergebnis kaum noch dem Original ähnelte und weltweit für Spott sorgte. In den Medien wurde das Werk teils als „Affen-Christus“ bezeichnet.
Der missglückte Restaurierungsversuch entwickelte sich zu einem Internetphänomen und machte den zuvor wenig beachteten Wallfahrtsort international bekannt. Statt in Vergessenheit zu geraten, wurde das Fresko zu einer Touristenattraktion und bescherte der Stadt Borja einen unerwarteten Besucherboom.

Restaurierungs-Flop macht die Runde im Internet
🇧🇷⛪️ INSOLITE | Une restauration ratée de statues religieuses au Brésil a transformé Jésus, Marie et plusieurs saints en personnages aux yeux exorbités, aux sourcils épais et aux lèvres rouge vif.
— Cerfia (@CerfiaFR) June 16, 2026
Face à la polémique, la paroisse a finalement fait retirer la peinture et promis… pic.twitter.com/RCKbU3iJ9u
