Baumhäuser, Kletterwelten und Fantasie-Dörfer. Eigentlich klingt das nach einem perfekten Familienausflug. Doch hinter den Kulissen kämpfte einer der außergewöhnlichsten Freizeitparks Ostdeutschlands ums Überleben. Jetzt machen die Betreiber des Erlebnisparks „Turisede“ in Sachsen öffentlich, wie groß ihre Existenzsorgen wirklich waren.
Die Besitzer des Freizeitparks sind verzweifelt
Der Park in Neißeaue (Sachsen) an der deutsch-polnischen Grenze zieht seit Jahren Besucher mit seiner außergewöhnlichen Welt zwischen Baumwipfeln an. Zur Anlage gehört sogar Deutschlands erstes Baumhaushotel. Trotzdem blieben die Gäste aus. Die Besitzer waren verzweifelt.

„Wir haben zu wenige Gäste“, sagt Betreiber Jürgen Bergmann (66) in der Vox-Sendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“. Die Aufnahmen entstanden vor drei Jahren, die Ausstrahlung erfolgte erst jetzt. Besonders bitter: Obwohl Polen direkt vor der Haustür liegt, stammten zu dem Zeitpunkt lediglich rund vier Prozent der Besucher aus dem Nachbarland. So ging es für den Betrieb nicht weiter.
Für Bergmann und seine Lebensgefährtin Doreen Stopporka (47) sei es längst nicht nur um einen Freizeitpark gegangen, wie sie erzählen. Seit fast 30 Jahren sind die beiden ein Paar, haben gemeinsam fünf Kinder und stecken nahezu ihre gesamte Zeit in das Herzensprojekt. Freizeit? Fehlanzeige. „Arbeit und Familie ist bei uns das Gleiche. Wir haben keine Freizeit“, erzählt Bergmann in der Sendung.

Dass der Unternehmer überhaupt noch weitermachen konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Vor einigen Jahren musste er bereits Insolvenz anmelden. Damals gelang der Neustart, noch einmal sollte es so weit aber nicht kommen. Die Eheleute kämpften vor drei Jahren schon wieder ums Überleben.
Der Freizeitpark finanziert sich nicht mehr selbst
Deshalb setzte das Paar auf mehrere Standbeine. Neben dem Freizeitpark betreiben sie ein Unternehmen für künstlerische Holzgestaltung. Etwa zwei Drittel der Einnahmen stammten aus diesem Geschäft. Trotzdem blieb der finanzielle Druck groß.
Während Bergmann ständig darüber nachdachte, wie neue Attraktionen finanziert werden können, hielt Doreen Stopporka den laufenden Betrieb zusammen. „Mein Alltag ist zeitweise sehr, sehr stressig. Es kommt viel zusammen, es geht viel durcheinander, wo man Entscheidungen treffen muss. Von einer Sekunde in die andere muss man sich in ein anderes Thema reindenken“, beschreibt sie den Alltag.
Stillstand war für das Paar keine Option. Nach eigenen Angaben liefen zu dem Zeitpunkt der Dreharbeiten 25 bis 30 Projekte gleichzeitig. Die Besitzer des Freizeitparks mussten immer wieder Geld zurücklegen, um den Freizeitpark weiterzuentwickeln. „Man muss ja auch immer genügend ansparen, um jedes Jahr eine neue Attraktion zu bauen“, erklärt Bergmann.

Und der Park sieht spektakulär aus. Gäste können nicht nur einen Tagesbesuch buchen, sondern auch eine Übernachtung in modernen Baumhäusern und da fehlt es einem an nichts. Es gibt Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer mit Liebe zum Detail. Überall finden sich Schmuckstücke, die die Baumhäuser zieren. Für Familien mit Kindern wird die Übernachtung zu einem echten Abenteuer.
Aufgeben ist für die Besitzer keine Option
Aufgeben wollten die beiden Sachsen nicht. Ihr Ziel war es, den außergewöhnlichen Freizeitpark im Osten dauerhaft zu erhalten. „Ich glaube, mein größter Wunsch ist, dass alle wichtigen Stellen der Firma mit guten Leuten besetzt sind und dass sie weiterhin alle Lust haben, den Weg mit uns weiterzugehen“, sagt Bergmann. Und das mit Erfolg. Noch heute können Gäste sich in die spektakulären Baumhäuser einmieten und den Park besichtigen.



