Nicht nur in Berlin, wo der Internationale Frauentag seit einigen Jahren ein Feiertag ist, wurde am Mittwoch für gleiche Rechte, gleiche Bezahlung, gegen Unterdrückung, Gewalt gegen Frauen und viele weitere Diskriminierungsformen, die auch in den digitalen Bereich hineinwachsen, demonstriert. Viele Firmen, aber auch Medien, posteten dazu in den sozialen Netzwerken Grafiken, die belegen, dass die vermeintliche Gleichheit von Mann und Frau auch in Mitteleuropa längst nicht existiert. Doch in Niederösterreich schoss sich das Social Media-Team des ORF ein riesiges Eigentor. Es führte die Botschaft, die sie transportieren wollten, ad absurdum.
Frauentag: ORF postet Grafik - und schießt ein Eigentor
Auf Instagram postete der ORF Niederösterreich eine Grafik mit zwei Tortendiagrammen. Die eine Torte zeigte, was Frauen wollen. Je ein Drittel der Torte war reserviert für „gleiche Chancen“, „gleiche Arbeitsteilung“ und „gleiche Bezahlung“. Die andere Torte war überschrieben mit „Was Frauen bekommen“ und zeigte nur eines: „Rosen“.
Wer diese Grafik sah und in den vergangenen Jahren im Internet nicht die Augen verschlossen hat, dürfte sich dabei an eine vielfach geteilte Grafik der Berliner Autorin Katja Berlin erinnern, die eine ähnliche Grafik für ihre Rubrik in der Wochenzeitung „Die Zeit“, „Torte der Wahrheit“, erstellt hatte.
Grafik zum Frauentag: Diese Torten gab es schon einmal
Katja Berlin hatte auf der „Was Frauen wollen“-Seite die „Gleichstellung der Geschlechter“, die „sexuelle Selbstbestimmung“, „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ und „faire Arbeitsteilung“ aufgeführt. Erstmals wurde die Grafik im Jahr 2016 veröffentlicht und immer wieder am Internationalen Frauentag geteilt.
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#Frauentag https://t.co/x5BzZ7Q0Rb
— katja berlin (@katjaberlin) March 8, 2020
ORF schreibt zum Frauentag bei Katja Berlin ab
Auf diesen Erfolgszug wollte nun offenbar auch der ORF aufspringen, kopierte die Grafik, wandelte sie teilweise ab und veröffentlichte sie. Jedoch ohne dabei Katja Berlin, die ihre „Torten der Wahrheit“ inzwischen sogar als Buch herausgebracht hat, auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Das fiel natürlich auch der Berliner Autorin auf, die diesen Ideen-Klau direkt auf Twitter veröffentlichte.
also, @orf kopiert ungefragt und ohne meinen namen zu nennen meine arbeit, streicht aus der torte links noch "sexuelle selbstbestimmung" und schreibt drunter #frauenpower. lol. an wen kann ich meine rechnung schicken? pic.twitter.com/VNlYhws3VO
— katja berlin (@katjaberlin) March 8, 2023

