Horror-Unfall

Fahrscheinkontrolle eskaliert: Bahn-Mitarbeiter stürzt bei 120 km/h aus Zug

Drama auf der Strecke zwischen Offenburg und Karlsruhe: Ein Gerangel endet mit einem Sturz aus dem fahrenden Zug und einer Großfahndung.

Author - Stefan Doerr
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Der Zug steht nach dem Notfall am Bahnhof in Ettlingen-Bruchhausen.
Der Zug steht nach dem Notfall am Bahnhof in Ettlingen-Bruchhausen.Melanie Keul/dpa

Ein Routineeinsatz endet in einer Katastrophe: Bei einer Ticket-Kontrolle in einem Regionalzug eskaliert ein Streit derart, dass ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn aus dem fahrenden Zug stürzt. Der 26-Jährige überlebt schwer verletzt, sein Zustand ist lebensgefährlich.

Drama begann bei Fahrscheinkontrolle

Das Drama spielte sich am Freitagabend auf der Strecke zwischen Offenburg und Karlsruhe ab. Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei begann alles mit einer Fahrscheinkontrolle.

„Im Zusammenhang mit der Fahrscheinkontrolle kam es wohl zu einem verbalen Streit, weshalb zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit hinzugezogen wurden“, teilten die Ermittler mit.

Demnach soll ein mutmaßlich alkoholisierter 36-jähriger Fahrgast die beiden Sicherheitskräfte beleidigt haben. Kurz darauf eskalierte die Situation. Zwischen dem Mann und einem 26 Jahre alten Sicherheitsmitarbeiter kam es zu einem Gerangel.

Erdal Calar zeigt ein Foto seines Sohns Serkan, der bei einer Bahnkontrolle getötet wurde.
Erdal Calar zeigt ein Foto seines Sohns Serkan, der bei einer Bahnkontrolle getötet wurde.Uwe Anspach/dpa

Dann geschieht das Unfassbare. „Während des Gerangels stürzten beide Beteiligte zu Boden. Hierbei öffnete sich aus bislang ungeklärter Ursache die Tür des fahrenden Zuges und der 26-Jährige stürzte auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen aus dem Zug“, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Und das bei einem Tempo von 120 km/h.

Betrunkener Angreifer wurde festgenommen

Offenbar war der Bahn-Mitarbeiter gegen die Tür geprallt und hatte sie dabei aus der Verankerung gerissen. Warum dies geschehen konnte, ist bislang noch unklar.

Der mutmaßliche Angreifer wurde noch im Zug von alarmierten Einsatzkräften festgenommen. Ob er Widerstand leistete oder selbst verletzt wurde, war zunächst ebenso unklar wie die Frage, ob Fahrgäste das Geschehen unmittelbar beobachteten.

Für den verunglückten Sicherheitsmitarbeiter begann unterdessen ein Wettlauf gegen die Zeit. Einsatzkräfte suchten die Strecke großräumig ab und fanden den 26-jährigen Bulgaren schließlich rund zwei Kilometer hinter dem späteren Halteort des Zuges im Gleisbereich. Er wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Angaben zu seinem aktuellen Gesundheitszustand machten die Behörden zunächst nicht.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen auf Hochtouren. Auch der betroffene Zug bleibt vorerst aus dem Verkehr, da er für die Spurensicherung benötigt wird.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie schwerer Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn ein. Besonders erschütternd war der Fall eines Zugschaffners in Rheinland-Pfalz, der Anfang Februar nach einer Ticket-Kontrolle von einem Fahrgast ohne Fahrschein tödlich zusammengeschlagen wurde. Erst vergangene Woche wurde der damals 26-jährige Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Die tödliche Attacke hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über den Schutz von Bahnmitarbeitern neu entfacht. Denn die Gewalt gegen Beschäftigte nimmt weiter zu. Nach Angaben der Bundesregierung registrierte die Bundespolizei im Jahr 2025 rund 2690 Angriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn – etwa elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG): „Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.“

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