Dieser Fall schlägt Wellen und hat den Namen Yasmin zum meistgeteilten Hashtag auf Twitter gemacht: Es geht um eine Schülerin aus Hagen, die aus Angst vor einer Corona-Infektion seit Wochenbeginn trotz Kälte auf Unterricht auf dem Schulhof besteht. Die 13-Jährige ist Risikopatientin und befürchtet, sich in der Klasse mit ungeimpften Mitschülerinnen und Mitschülern anzustecken.
Mehrere Medien hatten über die Siebtklässlerin berichtet, die vorerkrankt sei und auch nach Dreifach-Impfung einen gemeinsamen Unterricht mit ungeimpften Schülern aus Angst vor einer Ansteckung verweigere.
Eine 13-jährige Hagener Schülerin weigert sich, wegen #Corona ins Schulgebäude zu gehen. Stattdessen lernt sie trotz Kälte allein auf dem Schulhof. Die Asthmatikerin hat Angst, sich im vollen Klassenraum mit Corona anzustecken. Dafür hat Schulleiterin Corinna Osman Verständnis. pic.twitter.com/MzItF8R0LI
— WDR Aktuelle Stunde (@aktuelle_stunde) January 12, 2022
Sie wolle auch ein Zeichen setzen und für mehr Impfungen werben. Die Schule hatte dem Mädchen Pult und Stuhl auf den Schulhof gestellt, wo es online am Unterricht teilnahm. Während der Pausen oder zum Aufwärmen nutzte die Schülerin einen freien Raum im Gebäude, wie ein Sprecher der Stadt Hagen schilderte.
Die Schule zeigte sich öffentlich solidarisch mit Yasmin und kritisierte das Jugendamt der Stadt Hagen öffentlich, das von „Inobhutnahme“ des Kindes gesprochen hatte.
Vollen Respekt für #Yasmin. Irre, über welche "Gesundheitsgefahren" sich Jugendämter sorgen machen. Corona schon mal nicht... https://t.co/0XjXCb5T9g
— Dirk Gernhardt (@DirkGernhardt) January 12, 2022
Zahlreiche User solidarisierten sich mit Yasmin und zollten ihr Respekt für ihren Mut.
Schule soll nicht nur Wissen vermitteln.
— Christian 🖖 😷💉³ (@Christian_Sylt) January 13, 2022
Im Idealfall lehrt Sie den selbsttätigen und selbstbewussten Umgang mit neuen Situationen. Sie lehrt sich zu informieren und eigene Schlüsse zu ziehen
Bei #Yasmin hat das funktioniert.
#SolidaritaetMitYasmin
Die 13-Jährige, die für ihre Rechte einsteht & deren Familie nun mit Inobhutnahme seitens der Stadt #Hagen gedroht wird, braucht jede Unterstützung. Unsere, die der Politik, der Medien @beerenstark @ThomasKutschaty Dieser Vorgang verdient ein Echo. #DurchseuchungOhneUns #Yasmin
— MeeresliebeMama 🌊 (@MeeresliebeMama) January 13, 2022
„Spagat-Situation“: Bezirksregierung will Kompromiss ermöglichen
Doch nun zeichnet sich ein Kompromiss ab. Das sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg am Donnerstag auf dpa-Anfrage nach einem Austausch mit der Leitung der Realschule. Die 13-Jährige solle nun in einem separaten Raum innerhalb des Schulgebäudes online am Unterricht teilnehmen. Man habe durchaus auch Verständnis für die Sorgen des Kindes. Es handele sich um eine „gewisse Spagat-Situation“. Das Mädchen sei Risikopatientin.
Das Jugendamt habe aus Sorge um die Gesundheit eine Stellungnahme des schulpsychologischen Dienstes angeregt, damit der Schule eine Grundlage gegeben wird, Distanzunterricht zu ermöglichen, sagte Stadtsprecher Michael Kaub. Eine längerfristige Unterrichtung auf dem Schulhof werfe angesichts der Jahreszeit die Frage „nach dem Gesundheitsschutz und dem Kindeswohl“ auf. Man stehe in Kontakt mit der Familie, die sich kooperationsbereit zeige. Die Realschule twitterte, die Schülerin sei „ein sehr reflektierter junger Mensch und möchte auf Missstände rund um die schulischen Corona-Maßnahmen hinweisen“. Im Netz schlug der Fall hohe Wellen.
Landesschülervertretung: „Armutszeugnis, dass es eine solche Aktion braucht“
Der Sprecher der Bezirksregierung betonte, das Recht auf schulische Bildung sei auch in Pandemie-Zeiten auf „vertretbare, angemessene und vernünftige Art und Weise“ umzusetzen. „Man wird das eng begleiten müssen – mit Sorgfalt, Verständnis, aber auch Konsequenz“, erläuterte Christoph Söbbeler.



