In Bayern

Erste Stadt stellt Hinweisschild für muslimisches Gebet in Moschee auf

An den Ortseingängen der bayerischen Kleinstadt Penzberg weisen Schilder künftig nicht mehr nur auf katholische und evangelische Gottesdienste hin – sondern auch auf das Freitagsgebet der Moschee.

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Jetzt auch mit Freitagsgebet: Die Gottesdienst-Tafel am Ortseingang von Penzberg.
Jetzt auch mit Freitagsgebet: Die Gottesdienst-Tafel am Ortseingang von Penzberg.Lukas Barth-Tuttas/dpa

Katholisch, evangelisch – und jetzt auch muslimisch: Penzberg in Oberbayern weist an seinen Ortseingängen künftig auch auf das Freitagsgebet der Moschee hin. Nach Einschätzung des zuständigen Imams ist das bundesweit ein Novum.

„Ein Zeichen der Wertschätzung, der Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften und der gelebten Religionsfreiheit" – so beschreibt Imam Benjamin Idriz die neuen Hinweisschilder, die seit Dienstag an den Zufahrtsstraßen nach Penzberg in Bayern stehen.

Wo bislang nur die Gottesdienstzeiten der katholischen und der evangelischen Gemeinde vermerkt waren, informiert jetzt ein drittes Schild über das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde. An einer Zufahrtsstraße hängt die neue Tafel bereits, drei weitere Standorte im Stadtgebiet sollen folgen.

Die Hinweisschilder für den evanglischen und katholischen Gottesdienst und das muslimische Freitagsgebet am Ortseingang von Penzberg.
Die Hinweisschilder für den evanglischen und katholischen Gottesdienst und das muslimische Freitagsgebet am Ortseingang von Penzberg.Angelika Warmuth

Die Schilder-Kombination gibt es wohl nur in Penzberg

„Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich tatsächlich um das erste offizielle kommunale Hinweisschild in Deutschland, das gemeinsam mit den Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirchen auch auf das muslimische Freitagsgebet aufmerksam macht“, sagt Benjamin Idriz.  Ob es eine solche Schilderkombination anderswo bereits gibt, konnte selbst die Stadtverwaltung nicht sagen – der nötige Überblick fehle.

Für den Imam ist es mehr als eine praktische Information für Ortsfremde. „Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile, Hass und Polarisierung zunehmen, senden solche sichtbaren Zeichen eine wichtige Botschaft: Menschen unterschiedlichen Glaubens gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft und begegnen einander mit Respekt", betonte Benjamin Idriz.

Bei Erneuerung der Schilder kam das Freitagsgebet dazu

Entstanden ist die Idee eher beiläufig: Bei einer Gesprächsrunde zwischen dem Bürgermeister und Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften ging es ursprünglich nur um die Erneuerung der alten, verblichenen Infotafeln zu den Gottesdiensten.

Man einigte sich darauf, gleich eine Tafel für das Freitagsgebet zu ergänzen. Die Stadt selbst spricht von einem Zeichen gelebter Ökumene und einem Signal für gegenseitigen Respekt und interreligiösen Dialog, wie sie auf Facebook mitteilte.

Die islamische Gemeinde im Landkreis Weilheim-Schongau zählt zu den bekanntesten in Bayern. 2019 stattete ihr sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen Besuch ab.

Die Moschee der islamischen Gemeinde Penzberg.
Die Moschee der islamischen Gemeinde Penzberg.Lukas Barth-Tuttas/dpa

Update: Schild wurde nach kurzer Zeit beschmiert

Zwei Tage, nachdem das Schild montiert worden war, war es von Unbekannten beschmiert worden. „Als ein Mitglied unserer Gemeinde am Freitag gegen 23 Uhr daran vorbeifuhr, hat es die mit schwarzer Farbe besprühte Tafel gesehen“, sagte der Imam der Süddeutschen Zeitung.

Wie verschiedene Medien berichten, sei das Schild bereits am Samstag von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs wieder gereinigt worden. Der parteilose Bürgermeister Thomas Kopf sagte der Süddeutschen Zeitung, er bezweifle, dass die Tat jemand aus Penzberg begangen habe: „Der ganze Unmut und die ganze Lautstärke wird meiner Meinung nach von außen hereingetragen.“ Die Tat zeige, dass die Leute, die immer auf den angeblich radikalen Islam zeigten, es dann selbst seien, die radikal werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat das Beschmieren des neuen Hinweisschilds auf das muslimische Freitagsgebet als inakzeptabel bezeichnet. „Die religiöse Vielfalt gehört zu Bayern“, sagte Herrmann dem Evangelischen Pressedienst: „Sie ist Ausdruck der Freiheit und des demokratischen Selbstverständnisses unseres Landes.“

Die gesetzliche Grundlage für solche Hinweisschilder gibt es bereits seit August 1960. Doch bis 2008 durften nur die katholische und die evangelische Kirche an Ortseingängen auf ihre Gottesdienstzeiten hinweisen. Erst seither steht dieses Recht allen Religionsgemeinschaften offen.