Für seinen großen Bruder, den Plastikstrohhalm, hatte das letzte Stündlein schon geschlagen. In diesem Sommer geht es dem Wegwerflöffelchen in der Eisdiele an den Kragen. Zumindest eine kleine, feine Eisdiele in Schöneweide hat schon jetzt eine umweltfreundliche Alternative zum Plastelöffel im Angebot. In der „Eiskultur“ kann man den Löffel nach dem Eis gleich mitverputzen.
Im Sommer stehen die Kunden in der Schnellerstraße in Schöneweide oft in einer langen Schlange vor dem Eisgeschäft in Nummer 118. Manche von ihnen haben sich einen eigenen Löffel eingepackt. Bei der Eiskultur geht es – nomen est omen – gesittet zu. Außerdem lässt sich hier besonders gut Umweltbewusstsein mit Genuss verbinden.
„Die Zeit ist reif“, sagt Eiskoch Jan Michalowski (48). Er hat die essbaren Löffel auf einer Messe im Winter entdeckt und den Versuch gewagt. Seitdem er nach Corona wieder öffnen darf, bietet er sie als Alternative an. 15 Cent kostet der Super-Spachtel extra – eine schmackhafte Investition, die hilft, Müll zu vermeiden.

Unscheinbar sehen sie aus, wie aus dickem, sehr glattem Keks gebacken. Nach einem ersten Knabbern steht fest: sowohl die helle, neutrale Variante wie auch die dunkle mit Kakao-Note sind erstaunlich köstliche Begleiter zu Sorten wie Lavendel-Wildblaubeer-Eis, Schoko mit kandierten Pecannüssen und Marshmallows oder Himbeer-Rosmarin mit weißer Schokolade. Besonders süß sind beide Löffel nicht und das ist auch gut so. Schließlich soll man das Eis schmecken, das hier virtuos jeden Tag per Hand hergestellt wird. Außerdem muss der Löffel stabil und hart sein, damit er nicht schon bei der zweiten Kugel schlappmacht. 60 Minuten hält er in kalten Speisen durch, versprechen die Hersteller.

