Hertha BSC

Extra-Schicht! Locken-Zwillinge Telib und Gouram greifen bei Hertha an

Noch acht Tage bis zum Saisonstart für Hertha BSC  beim VfL Bochum. Zwei Talente fallen auf, nicht nur wegen ihrer Haare.

Author - Wolfgang Heise
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Herthas Mittelfeld-Youngster Soufian Gouram (l.) und Selim Telib sind die blau-weißen Locken-Zwillinge.
Herthas Mittelfeld-Youngster Soufian Gouram (l.) und Selim Telib sind die blau-weißen Locken-Zwillinge.Imago (2)

Noch acht Tage bis zum Start der Zweiten Liga. Hertha BSC ist wegen des knallharten Sparkurses im totalen Kaderumbruch. 13 Profis sind weg, jetzt sollen es die Jungs aus der blau-weißen Akademie richten. Die Fans stehen vor der Wahl: Trübsal blasen oder erwartungsfroh bleiben, was mit diesem jungen Team passiert. Denn da gibt es einige Talente, die für Überraschungen sorgen können. Bei Selim Telib (20) und Soufian Gouram (20) sieht es jetzt schon so aus.

Gestatten, wir sind die blau-weißen Locken-Zwillinge

Auf dem Rasen kann man Telib und Gouram leicht verwechseln. Gleiche Statur, beide sind 1,87 Meter groß, gleiche Frisur, fast die gleichen Bewegungen. In der U23 bildeten sie ein starkes Duo im Mittelfeld. Beide sind in Berlin geboren. Telib, ägyptischer U20-Nationalspieler, ist der defensivere von beiden. Gouram, estnischer U21-Nationalspieler, glänzt in der Offensive. Kämpfer und Künstler, die sich ergänzen.

Doch das sind nur die Eckdaten. Am Mittwoch konnten die Kiebitze am Schenckendorffplatz beobachten, wie die beiden wirklich drauf sind. Das Training war längst vorbei, doch Telib und Gouram machten noch eine Extra-Schicht zu zweit. Die hatten nicht nur Bock, noch ein bisschen zu knödeln. Das war mehr!

Starke Dribblings! Soufian Gouram von Hertha BSC im Testspiel gegen SV Lichtenberg 47
Starke Dribblings! Soufian Gouram von Hertha BSC im Testspiel gegen SV Lichtenberg 47IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Das Duo Telib/Gouram übt immer wieder Pässe

Mal zehn, mal 15 Meter standen sie auseinander und spielten sich immer wieder Pässe zu. Nicht einfach nur vis-à-vis, sondern mit Drehungen und Laufbewegungen. Automatismen üben und üben und üben, damit der Ball genau im Lauf am Fuß des Mitspielers landet.

Trainer Stefan Leitl (48) ging vom Platz und schaute die beiden zufrieden und glücklich an. Die Saat geht auf. Die jungen Spieler ziehen mit, drängen ins Team und wollen ihrem Chef zeigen: Wir sind bereit! Nicht mit markigen Sprüchen, sondern mit Fleiß und Willen. „Die Jungs reißen sich den Arsch auf“, hatte Geschäftsführer Dr. Peter Görlich (59) im Trainingslager in Kitzbühel deutlich gesagt. Damit waren alle Talente gemeint, die jetzt zum Profikader gehören.

Offensivmann Gouram sagt: „Ich habe sozusagen einen Fuß in die Tür bekommen. Jetzt will ich weiter hart arbeiten. Es liegt jetzt alles an mir.“ Und vielleicht auch ein bisschen an seinem Kumpel Selim. Seit sieben Jahren spielen die beiden bei Hertha BSC zusammen, daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Und so etwas kann eben Extra-Kräfte freisetzen.

Selim Telib glänzte vergangene Saison in der U23 von Hertha BSC als Stratege vor der Abwehr.
Selim Telib glänzte vergangene Saison in der U23 von Hertha BSC als Stratege vor der Abwehr.IMAGO/PICTURE POINT / Roger Petzsche

Zwei Freunde wollen gemeinsam den Hertha-Durchbruch

Die Energie passt in dieser Mannschaft, auch wenn zwei dringende Positionen fehlen: ein Mittelstürmer und ein linker Außenverteidiger. Der Konkurrenzkampf ist entfacht. Telib und Gouram werden nicht gleich in der Startelf stehen, doch sie kämpfen um ihre Chance. Den Durchbruch wollen sie gemeinsam schaffen.

Hertha BSC geht in die vierte Zweitliga-Saison. Die vergangenen drei Jahre wurde es noch mit einem großen Etat und Topspielern probiert. Heraus kamen dabei zwei Saisonfehlstarts. 2023/24 waren es nach vier Spielen drei Punkte, 24/25 immerhin sieben und vergangene Saison wieder nur zwei Zähler.

Der spannendste Hertha-Saisonstart seit Jahren

Nächste Woche Freitag startet Hertha BSC beim VfL Bochum 1848, danach geht es gegen den 1. FC Heidenheim 1846 (15. August), bei Eintracht Braunschweig (28. August)  und gegen den 1. FC Magdeburg (6. September) weiter. Die Spannung steigt: Reicht der neue Teamspirit aus oder gibt es fatale jugendliche Naivität?

Leitl will offensiver spielen lassen, höheres Pressing. Dazu braucht er präzise Pässe, damit es nicht nach hinten losgeht. Die lockigen Zwillinge arbeiten intensiv daran. Zunächst wohl als Joker von der Bank. Jetzt müssen Telib und Gouram nur noch zünden, wenn es um Punkte geht.