Dieser Satz wird die Rivalität zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC noch mal anheizen. „Das habe ich in drei Jahren gelernt: Berlin ist blau-weiß!“ Ausgesprochen vom Ex-Unioner Toni Leistner (35) bei seiner Abschiedsrede vor den Hertha-Fans in der Ostkurve. Jubel im Olympiastadion, doch in der Alten Försterei wird das vielen nicht schmecken. Leistner bricht endgültig mit Union.
Leistner: „Der Satz ist jetzt in Stein gemeißelt“
„Ja, das habe ich so gesagt. Das haben auch viele mit ihren Handys aufgenommen. Der Satz ist jetzt in Stein gemeißelt. Da stehe ich zu. Der Verein ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe drei Jahre mit Stolz die Fahne auf der Brust getragen“, erklärte Leistner danach noch einmal.
In Köpenick, wo Leistner von 2014 bis 2018 spielte und das Motto „Einmal Unioner, immer Unioner“ gilt, kommen dieser Wandel und das klare Bekenntnis zu Hertha nicht so gut an. Der Satz hat eine pikante Vorgeschichte, die mehr als sechs Jahre zurückliegt.
Vor sechs Jahren stichelte Leistner gegen Hertha
Februar 2020: Das Größenwahnsinnsprojekt von Hertha war nach der Flucht von Trainer Jürgen Klinsmann gerade mal zwölf Tage später desaströs gescheitert. Die Blau-Weißen verloren 0:5 im Olympiastadion gegen den 1. FC Köln, während Union als Aufsteiger 2:1 in Frankfurt gewann. Dieser 23. Spieltag der Saison 2019/20 war der Vorbote für das, was dann in den nächsten Jahren kam. Sportlich wurden die Eisernen die neue Nummer eins der Stadt.
Leistner spielte damals für den 1. FC Köln und haute nach dem 5:0 gegen Hertha den Satz raus: „Berlin ist und bleibt rot-weiß!“ Der 1. FC Union jubelte und Herthas Fans waren so richtig sauer. Als dann der Verteidiger im Sommer 2023 zu den Blau-Weißen kam, wurde er erst angefeindet. Jede Menge Friedensarbeit mit der Ostkurve war nötig. Leistner überzeugte alle mit Leistung über drei Jahre.

Jetzt wurde er beim Abschied gefeiert. „Dann habe ich wohl nicht so viel falsch gemacht. Ich danke für euren Support. Sportlich sind wir Zweite Liga. Aber ihr seid erste Liga“, sagte er zu den Fans ins Mikrofon. Seine Rede war souverän, doch so ganz hat der Vollblutprofi es noch nicht verstanden, dass er nicht mehr für Hertha spielen darf.
Leistner: Karriereende oder weiterspielen?
Lange war von einer Vertragsverlängerung bei Leistner die Rede. „Ich war dann schon überrascht, bin auch ein bisschen enttäuscht. Aber als Spieler muss man die Entscheidung des Vereins akzeptieren. Ich muss mich in den nächsten Wochen erst mal sortieren und dann sehen, wie es weitergeht“, so Leistner.
Hertha will ihn in anderer Funktion behalten, doch der kopfballstarke Innenverteidiger will eigentlich noch nicht aufhören, zu spielen. Leistner: „Mein Körper macht noch mit, ich fühle mich fit. Doch Vorrang hat bei mir die Familie. Eine Tochter ist schon in der Schule, die zweite wird im Sommer eingeschult. Da ist es nicht so einfach, etwas Geeignetes zu finden, um noch zu spielen.“ Heißt: Leistner will nicht noch mal umziehen.

In der Zweiten Liga kann der Abwehrhüne noch locker mithalten. Bei Hertha hat er sich als Aufbauarbeiter und Leitwolf eindrucksvoll bewährt. Welcher Klub könnte ihn gebrauchen, der in Reichweite von Berlin liegt? Es darf spekuliert werden: Der 1. FC Magdeburg hat den Klassenerhalt noch nicht ganz sicher, bräuchte bei bisher 57 Gegentoren für die neue Saison Verstärkung in der Abwehr.



