Pfeifkonzert in der Schalke-Arena nach dem desaströsen 0:2 gegen Kolumbien für die Nationalelf. Der Niedergang des DFB-Teams geht auch ein halbes Jahres nach der WM-Blamage in Katar weiter. Dabei steht die Heim-EM in zwölf Monaten vor der Tür. Noch nie war das Nationalteam zu solchen Zwergen geschrumpft. Kein Sieg bei den drei Spielen im Juni (3:3 gegen Ukraine, 0:1 gegen Polen, 0:2 gegen Kolumbien). Was ist der wahre Grund für die Dauer-Enttäuschung?
Die härteste Kritik prasselt auf Bundestrainer Hansi Flick ein. Einen echten Neuanfang gab es nicht, dafür aber zu viele Experimente. Seine Bilanz als deutscher Nationalcoach ist dazu außergewöhnlich – und ungewöhnlich schlecht: Gestartet mit acht Siegen gegen schwache Gegner, danach folgten 16 weitere Partien, aber nur noch vier Siege.

Völler stärkt Flick den Rücken
Sportdirektor Rudi Völler hält an dem ehemaligen Löw-Assistenten fest. Er geht auf die Nationalspieler los und erklärt: „Es sind sicher ein paar Spieler dabei gewesen, die wir im September nicht mehr sehen werden.“
Darunter könnten einige Bayern-Spieler sein. Denn die Krise beim Rekordmeister hat sich bis in die Nationalelf gefressen. Es ist normal, dass die beste deutsche Vereinsmannschaft auch die meisten Profis für den DFB abstellt. Doch in dieser ganzen Saison war nichts normal.
Goretzka, Kimmich, Sane und Musiala enttäuschten

Die Bayern taumelten mit viel Glück zum Meistertitel. Abgesehen vom Boss-Zoff war die Mannschaft selbst nie so richtig intakt. Auch in der Nationalelf wirkten Leon Goretzka (28), Joshua Kimmich (28) und Leroy Sane (27) gehemmt und müde; sie enttäuschten. Auch Bayern-Supertalent Jamal Musiala (20) war nicht in Topform.
Goretzka: „Es fehlte an allen Ecken und Enden“
Goretzka deutete wenigstens selbstkritisch an, was da alles nicht stimmt: „Im Moment fehlt es aber an Leichtigkeit. Es fühlt sich ein bisschen an wie am Ende bei Bayern, wo jede kleine Situation gegen einen läuft.“ Der Mittelfeldspieler führt weiter aus: „Ich habe keine Erklärung, warum wir es aktuell gar nicht auf den Platz bekommen. Man kann nicht sagen, dass der Spirit nicht da war. Ich glaube schon, dass jeder will. Aber insgesamt fehlte es an allen Ecken und Enden. Das ist summa summarum viel zu wenig.“
Hansi Flick hat ein Bayern-Problem in der Nationalelf. Er selbst holte für die Münchner als Trainer 2020 sechs Titel, ein Jahr später war es nur noch einer und er musste dort gehen. Doch die Spieler hat er noch immer bei der Nationalelf. Und dazu kommen noch die ungelösten Zukunftsfragen um die Oldies Thomas Müller und Manuel Neuer, der nach seinem Beinbruch im Skiurlaub immerhin noch weiter Kapitän der Nationalelf ist.
Bis Anfang September braucht Flick Antworten, wenn es dann in den Testspielen gegen Japan und Frankreich geht. Aber vielleicht ist bis dahin ja auch die Bayern-Krise überwunden.



