„Ich war der meist beschäftigte West-Star in der DDR.“ Das sagt Schlager-Legende Jonny Hill (85). Von der Ostsee bis zum Erzgebirge trat der Österreicher gefühlt in fast jedem großen Saal der DDR mit seinen Country-Songs und Seemannsliedern auf, war Stammgast im DDR-Fernsehen. Sein größter Hit: „Ruf Teddybär 1-4“. Mit ihm ist Jonny Hill wieder im Osten unterwegs. Und er kommt gerne, wie der Star dem KURIER verriet.
Jonny Hill: Auftritte sind Balsam für die Seele
In Sachsen steht Jonny Hill gerade in Großharthau auf der Bühne. Seit zehn Jahren pflegt er die Tradition, in diesem Ort aufzutreten. Von dort aus macht der Sänger noch einen Abstecher nach Forst (Brandenburg). Im Hotel „Stadtgespräch Rosenstadt“ tritt er am Freitag (30. Januar, 14 Uhr) als Star-Gast in der Show „Stars in der Lausitz“ der Entertainerin Heike Valentin auf.
Dafür schwingt sich Hill mit 85 Jahren noch selbst ins Auto und reißt da mal locker von Österreich nach Deutschland über 700 Kilometer am Steuer runter. Weil diese Auftritte auch Balsam für seine Seele sind. „Denn die Fans im Osten geben mir Kraft“, sagt er. Kraft, um als Künstler weiter auf der Bühne zu stehen und für sein Publikum da sein zu können, sagt Hill dem KURIER.
Jonny Hill: Trauer um seine Helga
Auch neue Lebenskraft: Denn im vergangenem Oktober starb seine Frau Helga. Mit ihr war Jonny Hill 62 Jahre lang verheiratet. Seine Helga war überall dabei, wo auch ihr Mann war. Zusammen eroberten sie auch die DDR. Das war noch lange, bevor er 1979 mit dem Trucker-Song „Ruf Teddybär 1-4“ den Mega-Hit landete.

„Dabei wollte ich anfangs gar nicht in die DDR“, sagt Hill. „Immer wenn mich der Agent bat, dort aufzutreten, wiegelte ich ab und sagte: ,Zu den Kommunisten fahre ich nicht!‘“ Aber dann kam es doch anders. „Zum Glück“, sagt Hill. „Eines Tages fuhren Helga und ich dann nach Rostock, hatte dort meine ersten Konzerte. Wir waren überrascht, dass alles ganz anders war. Vor allem die Menschen begeisterten uns.“
Jonny Hill: „Im DDR-Fernsehen war ich Stammgast“
Hill wiederum begeisterte mit seine Country- und Seemannsliedern das DDR-Publikum. Und auch den Regisseur der DDR-Fernsehunterhaltungssendung „Klock 8–achtern Strom“, die vom Ostseestudio produziert wurde. „So wurde ich Stammgast in dieser Show.“

Und sie machte Jonny Hill in der ganzen Republik bekannt. „Ich trat bei vielen Veranstaltungen auf, stand im Kulturpalast in Dresden auf der Bühne, war mit Helga Hahnemann im Friedrichstadt-Palast“, sagt der Sänger. Er schwärmt noch immer von seiner Zeit in der DDR. „Die Rostocker haben mich richtig verwöhnt“, sagt Hill.
Die Berliner allerdings auch. „1987 bei der 750-Jahr-Feier waren mit mir 100 Veranstaltungen in Ost-Berlin geplant. Gemacht haben wir 460 Veranstaltungen.“
Sein Fazit: „Beruflich gesehen hatte ich dort die schönsten Jahre meines Lebens“, sagt Jonny Hill. „Aber dabei vergesse ich nicht: Ich habe auch nicht für immer in der DDR leben müssen.“
Dabei hatte auch der Österreicher seine Erlebnisse mit der Stasi. Eine der Veranstaltungen zur 750-Jahr-Feier, bei der Jonny Hill auftrat, fand in der Kongresshalle am Alex statt. „Da saßen Stasi-Leute im Saal – und die wollten bei meinem Lied ,Ruf Teddy 1-4‘ tanzen.“
Stasi musste sich bei Jonny Hill entschuldigen
Aber der Song ist ein sehr besinnliches Lied, in dem es um einen Jungen geht, der im Rollstuhl sitzt und sich mit einem Fernfahrer unterhält. Dabei kann man nun wirklich nicht tanzen – und das machte Hill auch den Menschen im Saal klar.



