So war es im Osten

Vergessene Werte: Was Freundschaft in der DDR wirklich bedeutete

Ende Juli ist der internationale Tag der Freundschaft. In der DDR war das Wort mehr ein politisches Instrument als eine freie Beziehung.

Author - Sebastian Krause
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Freundschaft in der DDR war nicht nur eine Beziehung unter Menschen, sondern auch auch stark politisch geprägtes Wort.
Freundschaft in der DDR war nicht nur eine Beziehung unter Menschen, sondern auch auch stark politisch geprägtes Wort.Archiv Klaus Fischer/Sorge/imago

Es gibt Beziehungen, die fangen völlig unspektakulär an und halten dann Jahrzehnte. Kein Trauschein, keine Verwandtschaft, kein Vertrag, kein Treueschwur. Und trotzdem sind da Menschen, die nachts das Telefon abnehmen würden, wenn man sie braucht.

Internationaler Tag der Freundschaft am 30. Juli

Freundschaften sind komplett freiwillig – und gehören vielleicht gerade deshalb zu den verlässlichsten Beziehungen überhaupt. Seit 2011 ist der 30. Juli dem internationalen Tag der Freundschaft gewidmet – zwischen Ländern wie zwischen Menschen.

Mitglieder der FDJ begrüßen sich mit „Freundschaft“

Freundschaft. Das war in der DDR weit mehr als ein Alltagswort. Es war auch ein politisch besetzter Begriff mit mehreren festen Funktionen. Mitglieder der Freien Deutschen Jugend (FDJ) beispielsweise begrüßten sich mit dem Ruf „Freundschaft“ – worauf ebenfalls mit „Freundschaft“ geantwortet wurde.

Die Mitgliedschaft in der FDJ gehörte in der DDR zum Alltag, das Wort „Freundschaft“ war der Gruß der FDJ.
Die Mitgliedschaft in der FDJ gehörte in der DDR zum Alltag, das Wort „Freundschaft“ war der Gruß der FDJ.Sven Simon/imago

Das war keine FDJ-Eigenheit. Der Gruß stammt aus der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung der Weimarer Republik. Die FDJ machte ihn zum Ritual bei Versammlungen, Appellen und als Schlussformel in Briefen und Reden. Die Jungen Pioniere hatten ihr eigenes Pendant: „Für Frieden und Sozialismus – seid bereit!“ / „Immer bereit!“.

FDJ richtet Veranstaltungen zur Freundschaft aus

Das Wort „Freundschaft“ war aber nicht nur eine häufig verwendete Formel, sondern stand auch für Taten. 1950, 1954 und 1964 veranstaltete die FDJ zu Pfingsten in Berlin „Deutschlandtreffen der Jugend für Frieden und Völkerfreundschaft“. Diese Treffen sollten zur deutschen Einheit beitragen und das Pendant auf nationaler Ebene zu den internationalen Weltfestspielen der Jugend und Studenten sein.

Bei der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ hingegen war „Freundschaft“ eine Kategorie in der Verwaltung. Alle Pioniere einer Schule bildete die „Pionierfreundschaft“, geleitet vom hauptamtlichen „Freundschaftspionierleiter“ und dem gewählten „Freundschaftsrat“. Eine Freundschaft war hier also eine Körperschaft, keine persönliche Beziehung.

Ideologische Freundschaft zur Sowjetunion

Das wurde auch an der ideologischen Beziehung zur Sowjetunion deutlich. Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) war mit mehreren Millionen Mitgliedern eine der größten Massenorganisationen. „Monat der DSF“, Freundschaftszüge, Freundschaftstreffen und der Vertrag über „Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ gehörten zum festen Repertoire.

Allerdings beschrieb diese „Freundschaft“ ein Bündnis, in dem die eine Seite lernte („Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen“) und die andere den Maßstab setzte.

MS „Völkerfreundschaft“ als große Kampagne

Parallel zur DSF stand die „Völkerfreundschaft“ – ein Begriff für den sozialistischen Internationalismus. Er zeigte sich in den „Brigaden der Freundschaft“ der FDJ, die in Mosambik, Vietnam oder Nicaragua Entwicklungsprojekte betreuten, in Festivals und Solidaritätskampagnen sowie im Urlauberschiff MS „Völkerfreundschaft“.

Die „MS Völkerfreundschaft“ war der berühmteste Urlaubsdampfer der DDR und eine große Solidaritätskampagne.
Die „MS Völkerfreundschaft“ war der berühmteste Urlaubsdampfer der DDR und eine große Solidaritätskampagne.imago/Ulrich Hässler

Nach der Wende verschwand die Formel „Freundschaft“ nahezu komplett aus dem öffentlichen Sprachgebrauch. Nun aber rückt das Wort wieder verstärkt in den Mittelpunkt – ganz ohne Pathos, Politik oder institutionelle Organisationen.

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