Nach dem Ende der DDR war eine Hellerau-Schrankwand für viele Menschen nicht mehr das Ziel der Träume. Inzwischen hat sich das Bewusstsein für Möbel gewandelt. Inzwischen lässt sich mit Ost-Design wieder gut Geschäft machen. Klare Formen, Nachhaltigkeit und ein gutes Design machen DDR-Möbel aus. Nicht selten bezahlen Liebhaber wieder viel Geld für bestimmte Stücke.
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Legendäre Hellerau-Kommoden von Franz Ehrlich, stylische Sessel von Selman Selmanagic, alte Freischwinger-Stühle aus Stahlrohren - im Lager der „Nabyteque“ in Leipzig stapeln sich Klassiker des Ost-Designs bis unter die Decke. Lange werden sie dort nicht bleiben, denn Möbel aus den 50er bis 70er Jahren aus der DDR sind wieder sehr gefragt. Die beiden Unternehmer Kris Sullivan (36) und Björn Hinrichsen (35) haben ein Geschäft daraus gemacht - ihre „Nabyteque“ verkauft Möbel „Made in GDR“ inzwischen in die ganze Welt.
DDR-Möbel kaufen und aufarbeiten
Sullivan und Hinrichsen kaufen historische Stücke aus dem VEB Deutsche Werkstätten Hellerau, dem Möbelkombinat Zeulenroda oder auch aus Tschechien auf, restaurieren sie und bieten sie als Vintage-Möbel an. Beide kennen sich aus ihrer Studienzeit in Dresden. „Wir haben das erst als Nebenverdienst neben dem Studium gemacht. Aber es wurde dann relativ schnell relativ ernst“, erzählt Sullivan. 2018 gründeten sie ihre Firma. Der Name „Nabyteque“ ist eine Ableitung von „nabytek“, dem tschechischen Wort für Möbel.

Es gebe im Wesentlichen drei Gründe, warum sich Käuferinnen und Käufer wieder für die Jahrzehnte alten Möbel interessieren, sagt Hinrichsen: Designgeschichte, DDR-Geschichte oder Nachhaltigkeit. Viele Kunden seien auf der Suche nach dem besonderen Einzelstück. „Als Eyecatcher funktionieren die Möbel sehr sehr gut“, sagt sein Kompagnon Sullivan. „Es ist auch eine gewisse Gegenbewegung zur Fast-Furniture-Kultur.“
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Interesse an DDR-Möbeln steigt wieder
Dass das Interesse am DDR-Möbel-Design wieder deutlich gewachsen ist, bestätigt auch Sabine Epple, Kuratorin für Moderne im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig. „Das ist genau das, was ästhetisch wieder anspricht“, sagt sie. In den 50er und 60er Jahren sei das Design in der DDR noch vom internationalen Austausch geprägt gewesen. Es gebe eine enge ästhetische Verbindung zwischen Skandinavien und der DDR.
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Das Grassi Museum sammelt selbst Klassiker wie die Möbel von Franz Ehrlich oder von Rudolf Horn, dem Gestalter des modularen MDW-Programms, das sich in unzähligen DDR-Wohn- und Kinderzimmern fand. „Die Älteren haben das nach der Wende satt gehabt und sich neu eingerichtet“, sagt Eppel. Doch die jüngeren Generationen gingen unbelastet an das Thema DDR-Design ran - und entdeckten es für sich.

Der Großteil ihrer Kundschaft sei zwischen 27 und 45 Jahre alt, sagt auch „Nabyteque“-Chef Hinrichsen. Sie kämen aus ganz Deutschland und selbst den USA oder Belgien. Ältere, die zu DDR-Zeiten noch Besitzerin oder Besitzer einer Hellerau-Schrankwand gewesen sein könnten, seien eher seltener vertreten. Viele Kundinnen und Kunden seien Design-Fans mit Interesse am historischen Hintergrund der Möbel. „Man kauft nicht nur ein Möbelstück, sondern auch die Geschichte mit dazu“, sagt Hinrichsen.
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