Knaller aus der DDR

DEFA-Schatz wieder da! „Der Mann, der nach der Oma kam“ ist jetzt gratis

„Der Mann, der nach der Oma kam“ war ein Straßenfeger. Jetzt ist der Film zurück! Wir erinnern an den Streifen und die legendäre Oma Ilse Voigt.

Author - Florian Thalmann
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Die Oma und der Mann, der nach ihr kam: Ilse Voigt und Winfried Glatzeder spielten im DDR-Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ zwei der Hauptrollen.
Die Oma und der Mann, der nach ihr kam: Ilse Voigt und Winfried Glatzeder spielten im DDR-Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ zwei der Hauptrollen.DEFA-Stiftung/Youtube (Retusche: BK)

Wer in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgen will, der kann das unter anderem beim Blick auf alte Filme – denn nichts ist schöner, als mal wieder einen Streifen zu gucken, der vor vielen Jahren einmal in Mode war. Die DEFA-Stiftung gräbt deshalb regelmäßig DDR-Filme wieder aus und macht sie öffentlich zugänglich. Seit Mittwoch gibt’s nun wieder eine echte Perle aus der DDR-Zeit zu sehen: das Lustspiel „Der Mann, der nach der Oma kam“. Erinnern Sie sich an den Film? Dann sind Sie nicht allein: Der DEFA-Knaller gehört zu den erfolgreichsten Filmen im Kino der DDR! Wir verraten, wo Sie ihn sehen können, erinnern an den Film und die traurige Geschichte von Oma Charlotte Piesold.

Hier wurde „Der Mann, der nach der Oma kam“ gedreht

Der Film feierte schon im Jahr 1971 seine Premiere – und wurde vom DEFA-Studio „Gruppe Johannisthal“ gedreht. Als Kulisse diente unter anderem ein Haus, das noch heute steht – und zwar in der Treskowallee 116 in Berlin. Heute befinden sich in dem denkmalgeschützten Gebäude ein asiatisches Restaurant und ein An- und Verkaufsladen, im bekannten DDR-Film ist es die Heimat der Familie Piesold, um die sich in „Der Mann, der nach der Oma kam“ alles dreht.

Die Story von „Der Mann, der nach der Oma kam“

An die Story der hinreißenden Komödie aus der DDR dürften sich viele noch gut erinnern. Es geht um die besagte Familie Piesold, deren Oma sich etwas aus dem Familienleben zurückzieht. Charlotte Piesold (gespielt von Ilse Voigt) hat keine Lust mehr, den Haushalt von Günter Piesold (Rolf Herricht) und Gudrun Piesold (Marita Böhme) zu schmeißen.

Denn sie heiratet selbst wieder. Doch als sie weg ist, sorgen die Kinder schnell für Chaos im Haushalt. Also muss ein Ersatz her. Das Ehepaar gibt eine Annonce auf und stellt Erwin Graffunda (Winfried Glatzeder) an, der nicht nur geschickt im Umgang mit dem Haushalt ist, sondern obendrein noch richtig jung und attraktiv.

Die Anwesenheit vom Mann, der nach der Oma kam (Winfried Glatzeder) sorgt im gleichnamigen DDR-Film für jede Menge Gerüchte. Vielleicht nicht ganz ohne Grund?
Die Anwesenheit vom Mann, der nach der Oma kam (Winfried Glatzeder) sorgt im gleichnamigen DDR-Film für jede Menge Gerüchte. Vielleicht nicht ganz ohne Grund?DEFA-Stiftung/Youtube (Retusche: BK)

Das sorgt schnell für einen unangenehmen Nebeneffekt: Die Piesolds sind das Gesprächsthema in der Nachbarschaft. Denn niemand will verstehen, dass der schöne Jüngling wirklich nur das Kindermädchen von Günter und Gudrun Piesold ist. Schnell gibt es Gerüchte, dass Graffunda der Liebhaber von Gudrun Piesold ist – und sogar als Vater für die jüngste Tochter der Piesolds wird er schnell gehandelt.

Die brodelnde Gerüchteküche will er sich nicht gefallen lassen – und verkrümelt sich aus dem Haushalt. Wird sich am Ende alles aufklären? Wer das wissen will, sollte „Der Mann, der nach der Oma kam“ unbedingt mal wieder einschalten.

„Der Mann, der nach der Oma kam“ jetzt auf Youtube

Den Film gibt es jetzt auf dem YouTube-Kanal der DEFA-Stiftung – und das kostenlos! Ob er dort wieder zum Hit wird? Immerhin: Nach der Premiere am 10. Februar 1972 im Berliner Kino International wurde er schnell zum Straßenfeger. Auf der Liste der erfolgreichsten Kinofilme der DDR – sie wird von „Die Geschichte vom kleinen Muck“ mit knapp 13 Millionen Kinobesuchern angeführt – landet „Der Mann, der nach der Oma kam“ auf Platz 40. Immerhin rund 3,4 Millionen sahen sich den Streifen im Kino an – und damit waren sogar mehr Filmfans zu Gast als beim DDR-Klassiker „Die Legende von Paul und Paula“ und bei der Märchenverfilmung „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Ilse Voigt war die Oma in „Der Mann, der nach der Oma kam"

Vor allem die Darsteller waren es, die dem Film seinen besonderen Charme gaben. Doch so unterhaltsam der Streifen war: Die Riege der Darsteller erzählt auch traurige Geschichten. Etwa die namensgebende Oma Charlotte Piesold: Die Schauspielerin Ilse Voigt wurde mit dem Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ in der gesamten DDR bekannt. Schon in den 20er-Jahren hatte sie in Dresden eine private Schauspielausbildung absolviert, ihre ersten Karriereschritte machte sie am Schauspielhaus Chemnitz.

Was für eine Oma! Ilse Voigt schmeißt im Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ den Haushalt, bis sie nicht mehr will und ein Mann ihre Rolle einnimmt.
Was für eine Oma! Ilse Voigt schmeißt im Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ den Haushalt, bis sie nicht mehr will und ein Mann ihre Rolle einnimmt.DEFA-Stiftung/Youtube (Retusche: BK)

Erst später, in den 60er-Jahren, war sie immer wieder auch statt auf der Bühne vor der Kamera zu sehen, spielte für das Fernsehen der DDR und die DEFA. Im Jahr 1965 wirkte sie an einem der berühmtesten verbotenen Filme der DDR mit: „Das Kaninchen bin ich“ setzte sich sehr kritisch mit der DDR-Justiz und dem Sozialismus auseinander. Nach dem XI. Plenum des ZK der SED im Jahr 1965 wurden zwölf damals produzierte Filme verboten, auch „Das Kaninchen bin ich“. Bis zum Jahr 1990 befand sich der Streifen unter Verschluss, in der DDR durfte er nicht gezeigt werden.

Ilse Voigt konnte noch an der Premiere teilnehmen

Doch als die Mauer fiel, wurden auch die sogenannten „Kellerfilme“ wieder aus der Versenkung geholt. „Das Kaninchen bin ich“ feierte eine späte Premiere: Anfang März 1990 wurde der Film erstmals gezeigt – also 25 Jahre nach der Produktion. Das Besondere: Auch Ilse Voigt, die damals eine der Hauptrollen gespielt hatte, erschien zur Premiere. Sie war damals 85 Jahre alt und schwer krank, doch sie ließ sich den großen Tag nicht nehmen. Doch nur Tage später, am 6. März 1990, starb sie selbst in Magdeburg an den Folgen ihrer Erkrankung.

Wer den Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ mal wieder sehen will, kann ihn sich auf Youtube auf dem Kanal der DEFA-Stuftung jetzt gratis anschauen.
Wer den Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ mal wieder sehen will, kann ihn sich auf Youtube auf dem Kanal der DEFA-Stuftung jetzt gratis anschauen.DEFA-Stiftung/Youtube (Retusche: BK)

Diese DDR-Stars spielen bei „Der Mann, der nach der Oma kam" noch mit

Im Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ lebt sie nun an der Seite vieler bekannter DDR-Stars wie Rolf Herricht („Herricht und Preil“), Winfried Glatzeder („Die Legende von Paul und Paula“), Herbert Köfer („Rentner haben niemals Zeit“), Marianne Wünscher („Aber Vati!“) und Agnes Kraus („Schwester Agnes“). Und das freut die Fans besonders. „Vielen herzlichen Dank für diesen Klassiker“, schreibt ein Zuschauer zu dem Film auf YouTube. Ein anderer bezeichnet den DDR-Film als „Sommerferienlagererinnerung pur“. Und einer schreibt: „Mit Rolf Herricht. Und es war der Durchbruch für Winfried Glatzeder. Zahlreiche Stars des DDR-Fernsehens dabei. Legendär!“

Erinnern Sie sich an den Film „Der Mann, der nach der Oma kam“ – und welche Streifen aus der DDR haben Sie damals besonders gern gesehen? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!