Scherben machen glücklich. Jedenfalls, wenn sie sehr alt und lange verschollen waren. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, ist jedenfalls ganz aus dem Häuschen über Bruchstücke antiker griechischer Tongefäße, ein paar bronzene Wikinger-Schnallen, trojanische Marmor-Idole und einen Mörser-Stößel aus schwarzem Stein. Insgesamt rund 1500 Objekte, die ein Berliner Maler aus den Kriegstrümmern des Martin-Gropius-Baus geborgen, aber lieber behalten hatte.
Peter Grämer (1939-2018) hatte in Berlin an der Kunsthochschule studiert und mit einigen Kommilitonen ein Hobby: Sie gruben bis Mitte der 1960er Jahre in den zerbombten Trümmern des Martin-Gropius-Baus in der Niederkirchnerstraße in Kreuzberg nach den Stücken aus dem dort angesiedelten Museums für Vor- und Frühgeschichte.
Darunter waren Ausgrabungsfunde, die der Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann Berlin vermacht hatte. Es waren Stücke aus dem Depot: Wertvoller Besitz des Museums war noch rechtzeitig ausgelagert worden, darunter Schliemanns goldener „Schatz des Priamos“, den dann allerdings die Sowjetunion als Kriegsbeute behielt.

Vor einigen Monaten wandte sich die Witwe des Künstlers per Mail an das Museum. „Wir sind beinahe hinten übergefallen“, sagt Kustos Bernhard Heeb, als er vom darauf folgenden Besuch im Zehlendorfer Haus berichtet: Im Atelier des Malers, in Schränken, Schachteln, Kisten, auch im Keller waren die Stücke gelagert, sorgfältig verpackt.
Künstler hielt seine Funde mit Tusche fest
Daneben gab es drei Kladden, in denen Grämer die wichtigsten Fundstücke aquarelliert und die Fundorte in der Ruine kartiert hatte.

Grämer habe sich viel Mühe gemacht, dem Ursprung der Funde nachgeforscht, und teilweise die Bruchstücke zusammengesetzt. So wie die große Amphore, die möglicherweise von einer Ägypten-Reise Schliemanns stammt, die er 1888 mit seinem Freund, dem Berliner Arzt und Anthropologen Rudolf Virchow, unternommen hatte.
Finder fand die Funde zu schön, um sie zurückzugeben
Er habe wohl immer vorgehabt, die Stücke dem Museum zurückzugeben, erklärt Heeb, sie dann aber möglicherweise doch zu lieb gewonnen und am Ende vielleicht altersbedingt nicht mehr übergeben können. Seine Witwe, die krankheitsbedingt an der Vorstellung der Funde im Archäologischen Zentrum (Mitte) nicht teilnehmen konnte, habe seinen Wunsch posthum schließlich in die Tat umgesetzt.
Einige Stücke werden vom 12. Mai an in der Schliemann-Ausstellung auf der Museumsinsel (James-Simon-Galerie, Neues Museum) zu sehen sein.


