Straßenbahn-Schock in Neu-Hohenschönhausen: Bei einem schweren Unfall ist eine Tram der BVG an der Seite aufgerissen und dann entgleist. Mindestens 20 Passagiere wurden dabei verletzt. Was bisher über das Unglück bekannt ist, wie die BVG reagiert – und welche Straßenbahnlinien in Berlin derzeit unterbrochen sind.
BVG-Tram entgleist – 20 Fahrgäste verletzt
Fenster sind zertrümmert, eine Seite der Straßenbahn ist komplett aufgerissen und eingedrückt: Die ersten Bilder der verunglückten Tram schockieren. Bei einem Straßenbahnunfall in Berlin-Lichtenberg sind am Vormittag 20 Fahrgäste verletzt worden.
Wie ein Feuerwehrsprecher dem Berliner KURIER mitteilte, passierte der Unfall gegen 9.30 Uhr in der Wartenberger Straße im Lichtenberger Ortsteil Neu-Hohenschönhausen. Nach ersten Angaben der Feuerwehr wurden 17 Fahrgäste leicht verletzt, drei weitere erlitten schwere Verletzungen und mussten ins Krankenhaus.

Nach bisherigen Erkenntnissen kollidierte die Bahn in einer Linkskurve kurz vor der Haltestelle Arnimstraße mit einem Mast der Oberleitung. Dabei riss der hintere Waggon an der Seite auf und entgleiste. Die Zerstörung ist immens, wie auch die Bilder vom Unfallort zeigen: Ein Waggon wurde völlig zerfetzt – Metallteile sind verbogen und aufgerissen, zahlreiche Kabel hängen frei herunter.
Die Feuerwehr war mit 59 Einsatzkräften vor Ort und rückte unter dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) mit zahlreichen Rettungswagen und zwei Notärzten an. Die Verletzten wurden vor Ort durch einen Notarzt untersucht und teilweise in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Inzwischen sind die Einsatzkräfte der Feuerwehr wieder abgerückt und haben an die BVG übergeben – das übliche Verfahren, sobald alle Verletzten versorgt sind. Es ist nun an den Experten der BVG, die Tram wieder „einzugleisen“, so der Sprecher der Feuerwehr. Erst dann kann sie abtransportiert werden.
Die Straßenbahnlinien M5 und M17 sind für mehrere Tage unterbrochen
„Unter dem Eindruck der Bilder hier vor Ort sind wir tief betroffen“, erklärt BVG-Chef Henrik Falk. „In Gedanken sind wir bei den Verletzten und unseren Fahrgästen. Bisher ist völlig unklar, wie es zu dem Crash kommen konnte, der betroffene Abschnitt galt bisher als völlig unauffällig. Klar ist, dass wir intensiv zur Aufklärung der Unfallursache beitragen werden“, sagt BVG-Chef Falk.

Am späten Nachmittag gab es zur Unfallstelle noch immer keine Entwarnung durch die BVG. Die Unfallaufnahme laufe weiterhin, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Parallel werde die Bergung der Straßenbahn vorbereitet. Dafür werde wohl schweres Gerät notwendig sein. Über die Vorgehensweise werde derzeit beraten.
„Die Situation vor Ort ist komplex und erfordert ein sorgfältig abgestimmtes Vorgehen“, sagt Falk. „Wir danken allen Beteiligten für ihren professionellen Einsatz und werden weiterhin alles daransetzen, die Unfallursache aufzuklären und den Betrieb so schnell wie möglich wiederherzustellen.“
Am späten Nachmittag besuchte auch Berliner Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Unfallstelle. „Ich bin der BVG sehr dankbar, dass sie sehr sehr schnell nach dem Unfall für einen Schienenersatzverkehr gesorgt hat“, sagte er. An Spekulationen zur Ursache des Unfalls wolle er sich nicht beteiligen.

