Schock und Entsetzen: Auf der Treppe eines Berliner U-Bahnhofs in Mitte ist eine Person plötzlich von einem herabfallenden Gegenstand getroffen und verletzt worden. Der Unfall wurde erst jetzt bekannt und ist der Grund dafür, warum an einer weiteren Station der Linie U2 ein Zugang gesperrt werden musste.
Gerüstteil fällt auf eine Person herab
Der Vorfall geschah am Vormittag des 26. März. Nach Informationen der Berliner Zeitung war eine Frau auf der Treppe unterwegs, die den nördlichen Eingangsbereich des U2-Bahnsteigs unterm Alexanderplatz darstellt. Sie wurde durch ein herabfallendes Gerüstteil verletzt, sagte Barbara Lipka, Sprecherin des Unternehmens Covivio, auf Anfrage.
Metallteil stammt von der Großbaustelle neben dem Hotel
Das Metallteil stammte von der Großbaustelle direkt neben dem Hotel Park Inn. Der in Frankreich beheimatete Investor lässt dort ein rund 130 Meter hohes Hochhaus bauen, das laut Covivio Arbeiten, Wohnen und Angebote wie Einzelhandel und Gastronomie bündeln soll. Wie es zu dem Vorfall kommen konnte, sei noch nicht vollständig geklärt, hieß es.
„Wir fühlen mit der verletzten Person und hoffen auf vollständige Genesung“, erklärte Lipka. „Zwischenzeitlich hat das Bauunternehmen in Abstimmung mit dem Bauamt und der BVG vorsorglich verstärkte Sicherungsmaßnahmen am Baugerüst vorgenommen. Als Bauherrin beobachten wir die weiteren Maßnahmen genau.“
Die BVG hat nach dem unvorhersehbaren Vorfall umgehend reagiert. Oberste Priorität hat die Sicherheit aller Fahrgäste.
Viele Folgen für die U-Bahn-Fahrgäste in den nächsten Wochen
Für U-Bahn-Fahrgäste hat der Unfall Folgen: Der U2-Bahnsteig ist von der betroffenen Seite aus nicht mehr zugänglich, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sperrten den Zugang noch am 26. März. Auf Aushängen war zunächst zu lesen, dass die Treppe bis zum 17. April nicht nutzbar ist. Inzwischen nennt das Landesunternehmen aber keinen Termin mehr.
„Die BVG hat nach dem unvorhersehbaren Vorfall umgehend reagiert. Oberste Priorität hat die Sicherheit aller Fahrgäste“, sagte ein Sprecher. „Bis zu einer endgültigen Absicherung der benachbarten Baustelle bleibt der Zugang in Richtung Park Inn deshalb vorsorglich geschlossen. Wir gehen davon aus, dass es in Kürze eine geeignete Absicherung geben wird und wir den Ausgang in einigen Wochen wieder öffnen können.“

Nächste U-Bahn-Station mit Einschränkungen
Mit dem U-Bahnhof Alexanderplatz ist nun die dritte U2-Station von Einschränkungen betroffen. Der Abschnitt der U2 hier gehört zur alten „Centrumslinie“, die ab 1910 gebaut wurde und am 1. Juli 1913 in Betrieb ging.
Der nächste U-Bahnhof ist Rosa-Luxemburg-Platz. Dort wurde Mitte März der Südzugang gesperrt. Außerdem halten die U-Bahnen derzeit nur noch in Richtung Pankow, während die Züge stadteinwärts ohne Halt durchfahren. Eine Wand teilt den Bahnsteig.
Umfangreiche Sanierungen am Rosa-Luxemburg-Platz
„Der U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz wird derzeit umfassend erneuert und barrierefrei ausgebaut“, teilte die BVG mit. „Unter anderem werden die Bahnsteigkanten angepasst und ein Blindenleitsystem eingebaut. Aus diesem Grund können die Züge bis zum 31. Juli in Richtung Ruhleben nicht halten.“
Am folgenden Bahnhof Senefelderplatz ist die andere Richtung betroffen: U-Bahnen in Richtung Pankow passieren die Station in Prenzlauer Berg ohne Stopp. Die Baustelle läuft dort seit dem 20. März 2023.
Bei den Arbeiten gibt es immer wieder Verzögerungen
Dort werden Risse repariert, Putz- und Malerarbeiten ausgeführt, die Hintergleiswände mit neuen Fliesen verkleidet sowie die Bahnsteigbeleuchtung erneuert. Zugleich wird der U-Bahn-Tunnel von außen saniert, vor allem die Außendichtung gegen Nässe. „Im aktuellen Bauabschnitt findet eine Betonsanierung der Gleishinterwand und der Bahnsteigdecke statt“, erklärt die BVG.
Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits 2024 enden, doch es gab immer neue Verzögerungen. Zeitweise war auf der BVG-Website noch vom Abbau der Baustelle zum 13. März 2027 die Rede, inzwischen nennt das Unternehmen auf Nachfrage keinen Termin mehr. Damit bleibt offen, wann die Fahrgäste den U-Bahnhof Senefelderplatz wieder in beiden Richtungen nutzen können.
Untergrund sackt auf dem Bauplatz ab
Eine böse Überraschung erlebte die BVG auch im Bahnhof der U2 unterm Alexanderplatz – und wieder ging es um die Covivio-Baustelle. Auf dem Baufeld D3 dellte sich die Baugrubenwand 2022 um über fünf Zentimeter nach innen ein, der Boden gab nach, der Tunnel geriet in Bewegung. Risse taten sich auf, Grundwasser drang ein, der U2-Bahnhof sackte ab, zuletzt summierte sich die Setzung auf 3,8 Zentimeter, und am 7. Oktober 2022 wurde das Gleis nach Pankow gesperrt.
Mit eingeleiteter Zementsuspension wurde das Tunnelbauwerk, das zwischen 80 Zentimeter und 2,50 Meter von der 17 Meter tiefen Baugrube entfernt ist, im darauffolgenden Jahr stabilisiert; nach der zehn Millionen Euro teuren Anhebung konnte die Sperrung der Trasse aufgehoben werden. Seit dem 28. August 2023 ist der Bahnhof wieder zweigleisig befahrbar.




