Experten warnen

Protest-Aktion in Berlin: Entscheidung hat Folgen für Patienten

Große Demo-Aktion in ganz Deutschland: In etlichen Städten wird protestiert. Dahinter steht eine Entscheidung, die Folgen für Patienten haben wird.

Author - Florian Thalmann
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Auch in Berlin gehen am Mittwoch Psychotherapeuten auf die Straße. Sie demonstrieren gegen Honorarkürzungen, die erst im März beschlossen wurden.
Auch in Berlin gehen am Mittwoch Psychotherapeuten auf die Straße. Sie demonstrieren gegen Honorarkürzungen, die erst im März beschlossen wurden.Privat

Jeder, der sich schon einmal auf die Suche nach einem Therapieplatz gemacht hat, weiß, wie schwierig das sein kann. Nun könnte sich die Lage weiter zuspitzen. Grund ist eine Entscheidung des Spitzenverbandes der Krankenkassen, die dafür sorgt, dass ambulante Psychotherapeuten in Zukunft weniger Geld bekommen. In ganz Deutschland gehen deshalb am Dienstag Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auf die Straße – und protestieren gegen den Beschluss, der die Versorgungslage in Deutschland noch weiter verschärfen könnte.

Honorare für Psychotherapeuten sollen gekürzt werden

Grundlage des Streits: Am 11. März wurde beschlossen, dass die Vergütung in der ambulanten Psychotherapie um 4,5 Prozent gekürzt wird. Zwar stimme die Kassenärztliche Vereinigung dagegen, doch das half nichts. Mit der Kürzung werden nun 224 Millionen Euro gespart – und das geht nicht nur zulasten der Psychotherapeuten, sondern auch auf Kosten der Patienten.

„Gekürzt wird bei der am schlechtesten bezahlten Fachgruppe im vertragsärztlichen System“, heißt es in einer Mitteilung des Aktionsbündnis Psychotherapie. Hier wird vorgerechnet, wie viel Psychotherapeuten verdienen – im Vergleich zu anderen Ärztinnen und Ärzten.

Der Verdienst einer psychotherapeutischen Praxis betrage im Jahr im Durchschnitt 86.900 Euro – eine durchschnittliche Arztpraxis verdiene hingegen 336.000 Euro. Man stehe mit dem niedrigsten Einkommen aller Fachgruppen da – und das solle nun noch einmal gekürzt werden.

Psychotherapeuten demonstrieren in Berlin vor dem Paul-Löbe-Haus.
Psychotherapeuten demonstrieren in Berlin vor dem Paul-Löbe-Haus.Privat

Das Problem: Für viele hört sich das, was am Ende bleibt, noch recht hoch an. Laut einem Bericht der Berliner Zeitung (erscheint, wie der KURIER, im Berliner Verlag) liegt das Honorar am Ende bei 114,49 Euro für eine 50-minütige Therapiesitzung. Aber: „Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zahlen von diesem Honorar ihre Angestellten, die gerne nach Tarif bezahlt werden möchten. Sie müssen die in Berlin exorbitant gestiegenen Gewerbemieten für ihre Praxen bezahlen sowie Versicherungen und ihre Altersvorsorge“, erläuterte Eva Schweitzer-Köhn, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Berlin, in einem Interview. Vom Honorar müssen außerdem Vor- und Nachbereitung einer Sitzung abgedeckt sein.

Entscheidung könnte Folgen für Patienten haben

Auch sie warnt, dass die Entscheidung Folgen haben könnte. „Ich fürchte, dass viele wegen der Honorarkürzungen für die Kassenpatienten über diesen Mindestsatz hinaus aus wirtschaftlichen Gründen vermehrt Privatpatienten aufnehmen müssen.“

Das bedeutet: Wer gesetzlich versichert ist, sucht dann noch länger nach einem Therapieplatz. Dabei hätten den immer mehr Menschen bitter nötig – laut Aktionsbündnis Psychotherapie liegt die Wartezeit aktuell bei 142 Tagen.

Auch das Bündnis befürchtet den „Wegfall von Millionen Therapiestunden und explodierende Wartezeiten“, heißt es. Um das zu verhindern, finden am Mittwoch zeitgleich in vielen Städten Protestaktionen statt. In Berlin geht es um 13 Uhr vor dem Paul-Löbe-Haus los, auch in Hannover, Kiel, Trier, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Wiesbaden, München, Bremen und Würzburg wird demonstriert.

Gefordert wird unter anderem, dass die Honorarkürzungen zurückgenommen werden – und das zusätzliche Kassensitze geschaffen werden, damit mehr gesetzlich versicherte Patienten behandelt werden können. „Psychotherapie dient der gesamten Gesellschaft“, heißt es vom Bündnis. „Sie rettet Leben, reduziert massive Folgekosten, verhindert Chronifizierung, unterstützt Familien und stabilisiert die Gesellschaft.“