Folgenschwerer Farbangriff

Reinigung des Brandenburger Tores dauert länger als erwartet

Pünktlich zum Berlin-Marathon wird die Reinigung des beschmierten Brandenburger Tores nicht fertig. Ob es neue Proteste geben wird, ist noch unklar.

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Mitglieder der Klimaschutzgruppe Letzte Generation hatten am Sonntag das Brandenburger Tor mit oranger Farbe besprüht.
Mitglieder der Klimaschutzgruppe Letzte Generation hatten am Sonntag das Brandenburger Tor mit oranger Farbe besprüht.Paul Zinken/dpa

Es dauert länger als erwartet: Das Entfernen der orangen Farbe, die Klimaschützer auf das Brandenburger Tor gesprüht haben, wird aufwendiger und dauert länger als erwartet.

Die Reinigung des historischen Tores mit heißem Wasser und Hochdruck ist zwar am Dienstag beendet worden, teilt die Berliner Immobilienmanagement GmbH am Mittwoch mit. Doch damit sind erst 80 Prozent der Farbe entfernt worden.

Eine weitere Firma solle nun „die restlichen Farbpartikel mit einem schonenden, naturverträglichen chemischen Mittel aus den Poren des Sandsteins lösen“, heißt es. Dazu seien zuerst aber Tests nötig. Einige Musterflächen seien dazu ausgewählt worden, auf denen verschiedene Mittel ausprobiert würden. Am nächsten Dienstag sollen die Ergebnisse begutachtet werden. Anschließend entscheide man, welches Reinigungsmittel eingesetzt werde. Wie viel die Reinigung kosten wird, sei erst danach klar. Auch wer für die Kosten aufkommen muss, ist noch unklar.

Am Sonntag startet und endet der Berlin-Marathon am Brandenburger Tor

Zuvor hieß es, die Farbe könne bis Ende dieser Woche entfernt werden und die Reinigung koste rund 35.000 Euro. Mitglieder der Klimaschutzgruppe „Letzte Generation“ hatten das Tor am Sonntag mit oranger Farbe aus großen Feuerlöschern besprüht.

Am Sonntag steht das Brandenburger Tor im Mittelpunkt des traditionellen Berlin-Marathons, der in der Nähe startet, am Ende durch das Tor führt und kurz dahinter endet. Bereits am Samstag findet der Marathon der Inline-Skater mit rund 4500 Teilnehmern statt.

Die Letzte Generation ließ offen, ob sie auch beim Marathon protestieren will. Dazu könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Angaben machen, teilte die Gruppe der Deutschen Presse-Agentur mit. Veranstalter und Polizei hatten am Montag betont, dass sie auf einen reibungslosen Ablauf hoffen, Störungen seien aber nicht auszuschließen. Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 650 Kräften im Einsatz.

Beschwerden der Letzten Generation über Polizeigewalt im Internet

Angesichts der vielen Straßenblockaden entbrannte erneut eine Debatte über die Härte der Polizeieinsätze. Die Letzte Generation und Unterstützer im Internet beschwerten sich über schmerzhafte Griffe und Techniken der Polizei beim Wegtragen der Blockierer von Kreuzungen. Die Polizei rechtfertigte sich mit Verweis auf ihr gesetzliches Recht, auch körperlichen Zwang anzuwenden.

Videos im Internet bei den Polizeieinsätzen zeigen, wie Polizisten Demonstranten, die nicht von der Straße aufstehen, eine Hand nach innen umbiegen oder den Kopf in den Nacken drücken, um sie auch über den Schmerz zum Nachgeben zu bewegen. Manche Blockierer verziehen das Gesicht schmerzverzerrt oder schreien.

Ein Teil der Kommentare kritisiert die Polizei. So heißt es etwa: „Warum diese brutale Härte? Es gibt keinen Anlass dazu. Ich bin entsetzt“. Oder: „Es ist offensichtlich, dass hier nicht das mildeste Mittel gewählt wurde.“

Streit um Polizeigewalt im Netz: „Schmerzgriffe“ statt „Wegtragen“?

Andere Menschen verteidigen das Vorgehen: „Ich frage mich, was der junge Mensch eigentlich hat, dass er nicht selber mit den eigenen Beinen laufen kann.“ Oder: „Und weil die Straftäter minderjährig sind, soll die Polizei sie weiterhin den Verkehr blockieren lassen?“ Ein weiterer Nutzer schreibt: „Dieses Gebrüll ist einfach nur albern.“

Die Polizei schrieb im Internet, es gebe viele Fragen, „warum unsere Kollegen die Personen nicht „einfach von der Straße tragen“, sondern stattdessen „Schmerzgriffe“ anwenden“. Dabei handele es sich um „Druckpunkt- oder Hebeltechniken“, um die Menschen durch „Bewegungsimpulse kontrolliert von der Straße zu bringen“. Diese könnten kurzzeitig schmerzhaft sein, erklärte die Polizei.

Weiter teilte sie mit: „Diese im polizeilichen Einsatztraining erlernten Techniken bergen weniger Verletzungsrisiko beiderseits als das „Wegtragen“ einer sich wehrenden/sperrenden Person. Sie sind daher regelmäßig das mildeste, geeignete und erforderliche Mittel.“